• Kein Ensemble hat den Gewinn des Deutschen Chorwettbewerbes in der höchsten Klasse meiner Beurteilung nach so verdient wie der KammerChor Saarbrücken, dessen Interpretation von Regers op. 39 1998 in Regensburg mir noch immer in den Ohren klingt.

    Frieder Bernius - Dirigent Kammerchor Stuttgart

  • "Die Spreu vom Weizen trennte sich diesmal definitiv beim äußerst anspruchsvollen Pflichtwerk, Max Regers FRÜHLINGSBLICK. Hier ging der Stern für den KammerChor Saarbrücken unter der Leitung von Georg Grün auf. Wunderbare Tempobeschleunigungen und empfindsame Verlangsamungen, ein blühender, romantisch-strömender Klang bildeten hier die Basis eines fein schattierten und bestens intonierten Klangs - und dies in Regers Irrgärten der Chromatik...Höchstes Niveau bot der KammerChor Saarbrücken aber auch bei seiner Repertoire-Auswahl... das anspruchsvoller und schwieriger nicht sein konnte und die vielen "soften" zeitgenössischen Gebrauchsstücke der anderen Chöre weit in den Schatten stellte."

    Tim Koenitz - BR, zum 1. Preis beim 13. Int. Kammerchor-Wettbewerb Marktoberdorf


``Resonanzen`` - 20 Jahre KammerChor Saarbrücken / Pressemappe - Download (PDF)

Konzertreise Stuttgart, Heilbronn, Mosbach 2015

Großartiger Kammerchor Saarbrücken zu Gast in der Stunde der Kirchenmusik

Heilbronn. Das muntere Schaulaufen geht weiter. Längst ist die Kilianskirche beliebte Anlaufstation der deutschen Chor-Elite.

Von Lothar Heinle

Guter Publikumszuspruch ist für die Stunde der Kirchenmusik garantiert, zumal in einer sangesfreudigen Stadt wie Heilbronn. Bleibt zu hoffen, dass der Funke gerade im unbegleiteten Chorgesang auch auf hiesige Programme überspringt. Man muss ja nicht gleich so hoch einsteigen wie der Kammerchor Saarbrücken. Das preisgekrönte Ensemble hat sich unter dem Motto „Blickt zu mir der Töne Licht“ viel vorgenommen: Schmerz und Trauer treffen auf Trost und Erinnerung in Vertonungen von letzten Worten.

Zwischen schwierige zeitgenössische Werke schieben sich Eichendorff-Vertonungen von Hugo Wolf und die Gesänge op. 42 von Johannes Brahms. Mühelos schaltet hier der Chor von der einen in die andere Klangsphäre um. Beeindruckend wirkt die Geschlossenheit der sogartig abwärts gerichteten „Letzten Bitte“ von Hugo Wolf, geheimnisvoll ausgestaltete Metapher für das Jenseits ist die versunkene Stadt Vineta bei Brahms.

Kreuzweg

Eichendorffs „Resignation“ setzt der Chor mit perfekter Intonation in ein warmes Abendlicht, ohne dabei in übersteigerte Emphase zu verfallen. Ein fein changierender Sekundklang dient in Wolfgang Rihms „Tristis est anima mea“ als Sprungbrett für ein dicht gesponnenes, dynamisch und wortgestisch differenziertes Netzwerk an linearem Kontrapunkt. Die stockenden Silben auf „vadam immolari“ erinnern an den Kreuzweg Jesu.

Mehr akkordisch denkt der polnische Komponist Pavel Lukaszewski in seinen Responsorien. In „Caligaverunt oculi mei“ gelingt dem Chor ein hauchdünn verschleierter Textklang für die vom Weinen verdunkelten Augen. Pulsierend und dynamisch stark bleibt das Responsorium „Recessit pastor noster“. Dem Chorgründer Georg Grün hat der gebürtige Mainzer Theo Brandmüller sein letztes unvollendetes Werk „Le Paradis“ (2012) gewidmet. Dieser Höhepunkt eines ohnehin fantastischen Programms zwingt die Frauenstimmen in höchste Höhen, dazu treten noch zwei solistisch gestellte Stimmen, um gemäß der Aufführungsbezeichnung „in überirdisch schönen Tönen“ ein gänzlich unverkitschtes Paradies zu zeichnen. Bravo!

(Heilbronner Stimme, 4.5.2015)

Feinste Chormusik für Herz und Geist

Der KammerChor Saarbrücken begeisterte mit modernem Programm die Konzertbesucher in der Stiftskirche

Auch wenn in diesem Jahr kein Chorwettbewerb in Mosbach stattfindet, müssen die Fans nicht auf erstklassige Chorkonzerte verzichten. Nach dem Stuttgarter Kammerchor im Februar war am vergangenen Wochenende der renommierte KammerChor Saarbrücken zu Gast in der Stiftskirche, der ein faszinierendes, weitgehend zeitgenössisches Programm präsentierte.

Vielleicht ist die Zeit inzwischen reif für Neue Musik in Konzerten, vielleicht muss es aber vor allem ein Chor von ungewöhnlicher Qualität sein, von dem man sich auch schwieriger zu erfassende moderne Kompositionen anhören will. Der 1990 von Georg Grün gegründete KammerChor Saarbrücken ist einer der besten und leistungsfähigsten Chöre Deutschlands und genießt international einen hervorragenden Ruf vor allem auch als Spezialensemble für zeitgenössische Musik. Sein Klangideal – gar nicht unähnlich dem des Stuttgarter Kammerchors – zeigt Wärme und intensive Strahlkraft bei maximaler Transparenz. Das hier vorgestellte Programm erforderte neben hohem technischem Können und stimmlicher Beweglichkeit auch eine kraftvolle Dynamik, die von den 19 Frauen- und 17 Männerstimmen auf bewundernswerte Weise umgesetzt wurde.

Mit einem Ausschnitt aus den „Sieben Passionstexten für sechs Stimmen“ von Wolfgang Rihm (*1952) setzte der Chor einen starken Auftakt. Die ungewohnte Tonalität und komplexe Struktur ließen ahnen: diese Musik ist nur von echten Könnern zu bewältigen! Mit beeindruckender Souveränität bewegten sich Chorleiter Georg Grün und seine disziplinierte Truppe durch Rihms „Tristis est anima mea“ und „Velum templi scissum est“. Die 2010 entstandenen „Responsoria Tenebrae“ des polnischen Komponisten Pavel Lukaszewski (*1968) sind ganz anders konstruiert, wirken tonal vertrauter und verständlicher, aber durch die einfallsreichen Modulationen ebenfalls sehr innovativ und modern.

Einen Kontrast zur manchmal vielleicht etwas sperrigen Avantgarde des späten 20. Jahrhunderts stellten die drei Lieder “Einklang“, „Komm Trost der Welt“ und „Letzte Bitte“ von Hugo Wolf (1816-1903) dar, die mit spätromantischem Wohlklang die Herzen der Zuhörer berührten. Auch diese Lieder sind durch ihre raffinierte Stimmführung und Harmonik nicht ganz leicht zu singen, aber hier klang das wunderschön sanglich und vollkommen selbstverständlich.

Es gab zwei Stücke im Programm, nach denen die konzentriert lauschenden Zuhörer ihrer Begeisterung mit spontanem Applaus einfach Luft machen mussten. Bei „Le Paradis“ handelt es sich um das Fragment eines unvollendet gebliebenen Requiems, das Georg Grün von dem Komponisten Theo Brandmüller (1948-2012) gewidmet wurde. Hier waren neben dem vielstimmigen Hauptchor zwei sogenannte „Schattenstimmen“ beteiligt, die von der Orgelempore aus eine Art erweiterten Klangraum herstellten. Möglicherweise symbolisieren sie die Engel, die den Verstorbenen ins Paradies geleiten sollen. Das andere Stück mit dem Titel „Veni!“ stammte von Georg Grün selbst (*1960), eine ebenso komplexe wie großartig musizierte Vertonung, die beim aufgeschlossenen Publikum in der Stiftskirche gleichfalls viel Anklang fand.

Im letzten Block verließen die Sänger die Moderne und gaben sich in den „Drei Gesängen“ op. 42 von Johannes Brahms (1833-1897) und „Frühlingsblick“ von Max Reger (1873-1916) zum Abschluss einem üppigen romantischen Klangrausch hin. Dennoch überließ Dirigent Georg Grün das letzte Wort des Abends noch einmal einem Zeitgenossen und schlug mit Wolfgang Rihms Passionsmusik „Ecce“ als Zugabe den großen thematischen Bogen zurück zum Anfang.

(Pia Geimer in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 06.05.2015)

KammerChor Saarbrücken meistert Kniffliges mit Bravour

Saarbrücken. Ein Glanzlicht setzte Festivalchef Thomas Altpeter am Sonntag seiner Saarbrücker Sommermusik auf. Der Kammerchor Saarbrücken sang in der gut besuchten St. Arnualer Stiftskirche und machte seinem hervorragenden Ruf alle Ehre (Veröffentlicht am 24.07.2012)

In dieser Woche nimmt das Ensemble an einem internationalen Chorwettbewerb in Ungarn teil, und in Saarbrücken gab’s nun sozusagen einen Vorgeschmack mit ungarischem Schwerpunkt. Der SR zeichnete das Konzert auf, das ausschließlich Kompositionen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts enthielt. Diese moderne Chorliteratur war voller technischer Klippen, bot teilweise das Schwerste vom Schweren. Kurzum also Noten, die nur ein solches Spitzenensemble meistern kann. Über die Schwierigkeiten hinaus wurde hier Musik mit Gehalt geboten, die unter die Haut ging und nachwirkte. Als kleines Extra war das Ganze als „Moderationskonzert“ gestaltet: Chorchef Georg Grün führte angenehm unverkrampft durchs Programm. Das einleitende, noch sehr gemäßigt moderne „Agnus Dei“ von Péter Tóth etwa bezeichnete Grün als „harmlos“ im Hinblick auf die folgenden harschen Spannungsklänge: etwa bei Hans Werner Henzes „You who survived“ (aus: „Orpheus behind the wire“) mit Worten von Edward Bond. Hier ging es um das Überleben in einer Diktatur. Zum besseren Verständnis war das packende Stück zweimal zu hören, ebenso Boldizsár Csikys „Ecloga“. Mit „Velum templum scissum est“ wurde der allgegenwärtige Jubilar Wolfgang Rihm (geboren 1952) geehrt, und Friedrich Hölderlin (1770-1843), Poet der aktuellen Sommermusik, war selbstredend auch vertreten: Mit den Jugendliedern aus der Feder von Heinz Holliger und bei György Ligetis „Hälfte des Lebens“ aus Drei Fantasien nach Hölderlin.
Kein Mangel an Kontrasten: Auf ein klangprächtiges Abendgebet von Gyöngyösi Levente ließ Grün das „Stabat Mater“ von Vytautas Barkauskas folgen; dem moderierenden Chorleiter zufolge waren hier rasselnde Panzerketten zu hören. In ihrer besonderen Klangästhetik stachen bei dem sonntäglichen Chorgenuss schließlich das rhythmisch-motorische „O lux beata Trinitas“ des Japaners Ko Matsushita und die luftigen „Schwirrhölzer“ (Uraufführung) des Zürichers Burkhard Kinzler hervor. (uhr.)


Gottwald-Bearbeitungen Konzert am 29. Januar 2012 in der Stiftskirche St. Arnual

Saarbrücker Zeitung KULTUR DIENSTAG, 31. JANUAR 2012
Von außerordentlicher Intensität: KammerChor Saarbrücken

Bei den Transkriptionen für vier- bis 16-stimmigen Chor a cappella erreicht der KammerChor Saarbrücken in Höhe und Tiefe eine Intensität, die bei Chören selten ist, außerdem ein sensatio- nelles Diminuendo. In der Stiftskirche in St. Arnual präsentierte der Chor am Sonntagabend aus- schließlich romantische Lieder von Schumann und Brahms, aber auch wenig bekannter Komponisten wie Robert Franz, Friedrich Nietzsche oder Hans Sommer. Die extreme Aufmerksamkeit und die Bereit- schaft, sich von ihrem Leiter Georg Grün führen zu lassen, fiel auf und führte zu großer Beweglichkeit im Tempo. Warum aber die Wahl dieses Konzertorts? Denn trotz guter Artikulation war das Textverständnis schwierig, bei polyphonen Passagen unmöglich.
Besondere Wirkung hinterließen die schlichteren Werke wie „Die Könige“ von Peter Cornelius, bei denen sich der Chor aufteilte und zur Hälfte aus dem Seitenschiff sang, was zu berauschenden Klan- geffekten führte. Einen Höhepunkt bildete Debussys dicht gesetztes, chromatisches „Il pleure dans mon coeur“ für 16 Stimmen: Der KammerChor sang da so traumwandlerisch sicher, dass man als Zuhörer nur die Kontrolle verlieren konnte. (aka.)

Victoria CD Einspielung

Le célèbre Chœur de chambre de Saarbrucken, fondé en 1998 par Georg Grün, a enregistré chez Rondeau Production(Leipzig) l’Office des Défunts de Thomás Luis de Victoria ainsi que 3 motets pour le temps de la Passion et de Pâques. Avec une incomparable maîtrise et haute technicité, le chef obtient de ses chanteurs une justesse parfaite, un fondu des voix rarement atteint, une diction irréprochable qui permettront aux discophiles de ressentir intensément cet Officium Defunctorum. Meilleur hommage ne pouvait être rendu au remarquable polyphoniste espagnol, à l’occasion du quatrième centenaire de sa mort.!
(Newsletter von L’ÉDUCATION MUSICALE (Paris, Beauchesne), nov. 2011

Kirchenmusik, die auch Atheisten ergreifen könnte

Saarbrücken. Der spanische Renaissancemeister Tomás Luis de Victoria (um die 1548 bis 1611) stellte sein Leben in den Dienst der katholischen Kirche und ihrer Musik. Victoria komponierte nach den gestrengen Regeln des gegenreformatorischen Konzils von Trient und fand (dennoch) zu beträchtlicher Gefühlsdichte.
Mit einmal mehr vorbildlicher Sangeskunst unterstreichen das Georg Grün und sein KammerChor Saarbrücken bei Victorias zum Tod Marias von Spanien (1528 bis 1603) verfasstem Requiem Officium defunctorum und mehreren Motetten. Beim Eintauchen in den Wohlklang der lupenreinen Stimmen bedarf es keines religiösen Hintergrundes, um ergriffen zu sein – das perfekt austarierte organische Wogen erquickt jeden Hörer mit meditativer und spiritueller Ader. (uhr – SZ 10.11.11)

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.12.2011
Jeden Tag ein Stück gute Kirchenmusik in „Bilder und Zeiten“

„Es gibt immerhin, aus Anlass des vierhundersten Todestages von Tomás Luis de Victoria einige schöne Neuaufnahmen mehr. Zu nennen ist etwa einen weitere dieses Requiems, mitgeschnitten vom Saarländischen Rundfunk in der Stiftskirche St.Arnual Saarbrücken , mit dem KammerChor Saarbrücken unter der Leitung von Georg Grün (Rondeau Production ROP 6042, im Vertrieb von Naxos). Diese CD beweist einmal mehr, auf welch hohem Niveau inzwischen viele kleinere und mittlere Chorvereinigungen hierzulande agieren. An technischer Fertigkeit und Ausdrucksformung steht die Saarbrücker Requiem-Darbietung der des Ensembles Ultra Plus nicht nach. Vielleicht hört man etwas weniger Farbe – doch eine gewisse Herbheit steht de Victorias Totenmesse ebenso gut an.“ (Gerhard Rohde in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2011)

Klangkultur mit dem KammerChor

Saarbrücken. „Vokal“-Musik im wahrsten Wortsinne: Der KammerChor Saarbrücken pflegt unter seinem Leiter Georg Grün die Kunst, Konsonanten weitgehend auszublenden. Das vermeidet scharfe Zischlaute, asynchrone Explosivlaute, kleckerndes „t“. Textverständlichkeit wird dadurch nicht angestrebt, aber es entsteht ungemein klangvoller Gesang durch alle Register, alle Dynamikbereiche. Am Sonntag war dies in der Stiftskirche St. Arnual leider nur von kleinem Publikum zu erleben. Franz Liszts Alterswerk „Via Crucis“, die 14 Kreuzwegstationen, will religiöse Gebrauchsmusik sein. Karge, spröde Andachtssprache, archaisch kühne Harmonik der Miniatur-Episoden aus Chor-, Orgel- und Bass-Soli. Eine kontemplative Mischung musikalischer Stile, die den katholisch-liturgischen Rahmen sprengt. Jörg Abbing synchronisierte den Orgelpart auf die große Distanz zum Chorraum perfekt, Adolph Seidel gestaltete die Soli eindringlich. Als Intermedium fungierte Liszts Orgelphantasie „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“, von Abbing fantasievoll registriert und virtuos vorgetragen. Auch Ralph Vaughan Williams bediente sich in der g-moll-Messe für Doppelchor archaischer Elemente, schöpfte aus dem Schatz englischer a-cappella-Kunst. Seine dennoch üppige Tonsprache gab dem Chor und seinen Solisten Gelegenheit, homogene und zugleich emotionale Klangkultur zu zeigen. Grüns unangestrengtes Dirigat unterstützte die Entfaltung des Chorklanges vom profunden Bass bis in strahlende Sopran-Höhen: Chor-Kultur par excellence. fa (22.02.2011)

Kammerchor Saarbrücken: Der Seele Brausetabletten

Saarbrücken. Das Requiem „Officium defunctorum“ von Tomas Luis de Victoria (1548-1611), das der Kammerchor Saarbrücken unter Leitung von Georg Grün am Sonntag in der Daarler Stiftskirche bot, geht unter die Haut. Zu hören war A-cappella-Gesang der spanischen Renaissance von bezwingendem spirituellen Zugriff. Musik, die wie ein elektrischer Generator den Hörer in ihr Kraftfeld einschließt. Die Geborgenheit allerdings, die vor 500 Jahren der Mensch im religiösen Glauben fand, ist heute fast unvorstellbar. Wie sich also einer Klangwelt nähern, deren liturgische Funktion mittlerweile ausgehebelt ist? Die Rezeption Alter Musik befindet sich in einer tiefen Krise. Die Gefahr, im klanglichen Devotionalienhandel zu verebben, lauert überall. Kunst nur noch als schöner Schein. Die Kirche als Konzertsaal: Ihre sakrale Funktion wird zur Nebensache.
Das Schönste am Gesang des 1990 gegründeten Kammerchors ist seine fast makellose Reinheit und natürliche Grazie. Georg Grün hat mit sensiblem Ohr auch feinste dynamische Nuancen seiner Schützlinge im Griff. Das phrasierungsgerechte Pulsieren klappt wie am Schnürchen. Schließt man die Augen und schaut tief in sich hinein, erlebt man die schwebenden Klänge als seelische Brausetabletten. pes

Meisterklasse für vier hochbegabte Chordirigenten in Saarbrücken – Tagung thematisiert schwierigen Berufseinstieg

Begabte junge Chordirigenten zu fördern, das liegt Georg Grün, Leiter des Saarbrücker Kammerchores, am Herzen. Am Samstag arbeitete der Mannheimer Professor für Chorleitung mit vier Nachwuchs-Dirigenten in Saarbrücken. Zudem trafen sich Berufsdirigenten zu einer Tagung.
Der „liebe Herr Gesangverein“ hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung mitgemacht. Denn die Chorszene professionalisiert sich zunehmend. Dabei sind die wenigsten Ensembles institutionalisierte Klangkörper, was die Karriere für junge Dirigenten anstrengender, aber auch facettenreicher macht.
Kompetente Wegbegleiter wie Georg Grün (Foto: SZ), Leiter des international preisgekrönten Kammerchores Saarbrücken und Professor für Chorleitung an der Mannheimer Musikhochschule, sind da hilfreich. Dieses Wochenende leitete Grün eine Meisterklasse für vier hochbegabte Nachwuchsdirigenten, die sich über ein spezielles Förderprogramm des Deutschen Musikrats qualifiziert haben. Jährlich werden neue Kandidaten ausgewählt, der Andrang ist groß. Wer die erste Bewerbungshürde per DVD schafft, darf nach Berlin zum Vordirigieren. Auf die ausgewählten Teilnehmer warten im Rahmen des Programms effiziente Trainingsmaßnahmen. Namhafte Dirigentenpersönlichkeiten wirken als Mentoren und die Kandidaten erhalten die Möglichkeit, mit professionellen Klangkörpern zu arbeiten. Tatsächlich schaffen viele aus dem Stipendiatenprogramm heraus direkt den Sprung in gute Positionen im deutschen oder internationalen Musikleben.
Im Bereich Orchesterdirigieren geht das Konzept seit Jahren auf, jetzt hat man endlich auch entsprechende Module für Chordirigenten eingerichtet. Für die sind diese Angebote besonders wichtig.
„Chordirigenten müssen sich breiter ausbilden, denn sie arbeiten sowohl mit Laien als auch mit Profis, müssen mit der Stimme umgehen können, aber auch den Überblick behalten, wenn ein Orchester dabei ist“, weiß Grün. Der klassische Orchesterdirigent sei ein Auslaufmodell, heute müssten Nachwuchsmusiker fit in allen Stilistiken sein, ergänzt er. Diesem Aspekt trägt auch das für den Meisterkurs ausgewählte Repertoire Rechnung. Vom sechsstimmigen Renaissancewerk über Brahms und Rihm bis hin zur Avantgarde beinhaltet das Programm jegliche Stolperfalle für Dirigent und Chor.
Drei Tage haben die Weimarer Tobias Löbner, Alexey Vasilenko und Judith Schweiger sowie der in Dresden studierende Cornelius Volke Zeit, ihre Kenntnisse zu vervollkommnen. Mit dem Kammerchor Saarbrücken steht einer der führenden deutschen Konzertchöre als „Arbeitsinstrument“ zur Verfügung. Berührungsängste gibt es nicht, die Kandidaten, die zur Werkstatt in der Musikhochschule angereist sind, stehen bereits mit einem Bein im Berufsleben. So war Alexey Vasilenko in seiner russischen Heimat Assistent des Chefdirigenten am Operntheater.
Um eine weitere Vernetzung zwischen Ausbildung und Praxis zu gewährleisten, hat Grün zusammen mit der Chordirektorenkonferenz und dem Dirigentenforum eine Tagung in die Meisterklasse eingebettet. Hier drehte sich am Samstag alles darum, wie man die Startchancen für angehende Berufsdirigenten optimieren kann. sad

Vortrefflicher Chorgesang
KammerChor und Radiophilharmonie in Saarbrücken

200 Jahre Robert Schumann, 20 Jahre KammerChor Saarbrücken: Festlicher Anlass für die 4. SR-Soirée, sich in der Saarbrücker Congresshalle mit dem chorischen Spätwerk Schumanns zu beschäftigen.

Saarbrücken. Zuallererst: Es wurde vortrefflich gesungen. Der KammerChor unter Georg Grün war in Hochform. Klangschöne Homogenität, weite Dynamik, saubere Intonation, Präzision bei Tempowechseln und kontrapunktischen Details. Chorsolisten, darunter der warme Bass von Adolph Seidel, ergänzten das sängerische Tableau. Ein Solistenensemble mit der heiteren Sibylla Rubens (Sopran), der rund timbrierten Ingeborg Danz (Alt) und den markanten Bässen von Sebastian Noack und Yorck Felix Speer gestalteten kleine und größere Solo-Partien in sängerischer Vollendung. Christoph Prégardien, international gefragter lyrischer Tenor, war stilsicherer und ausdrucksvoller Sachwalter seiner umfangreichen Aufgaben.
Aus Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ (Teil 2) hatte Grün „Ariel. Sonnenaufgang“ ausgewählt. Tonmalerei von Naturstimmungen bis hin zum festlichen Tagesanbruch ließ nicht überhören, dass die Textfülle kompositorisch nicht immer überzeugend verarbeitet ist. Uhlands Ballade „Der Königssohn“ verwendet plakativ volkstümliche Muster, die den Poeten Schumann in den Hintergrund treten lassen. Das „Nachtlied“ nach Hebbel wartet mit mehr musikalischer Substanz auf, die ganz von der literarischen Vorlage inspiriert scheint. Der farbenreiche Orchesterpart und der dichte Chorsatz mit vielfacher Stimmteilung erzielten eine ungemein poetische Wirkung.
Das abschließende „Requiem“ mit seiner lichten Grundtonart Des-Dur verzichtet auf opernhafte Dramatik, ist eher in sich gewandt, ein wenig spröde und in seiner Motivik wenig eingänglich. Das Herz wird davon wohl kaum berührt.
Auch wenn reizvolle Farben und feine harmonische Regungen klangschönen Ausdruck fanden.
Solider Instrumentalpartner war die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, die routiniert auch komplexe Fakturen mühelos bewältigte. Zu Gunsten der Solisten hätte Grün sicher mehr schwebendes Piano, vor allem bei den Bläsern, anfordern können. So geriet manches etwas pastos und dynamisch gleichförmig. Dennoch: Selten aufgeführter Schumann, großartig gesungen, ein hörenswertes Geburtstagskonzert. (fa)

SEITE B4 Saarbrücker Zeitung Nr. 40 KULTUR DIENSTAG, 17. FEBRUAR 2009

Ein Moment chorischer Vollkommenheit

Saarbrücken. Ihr Piano ist berückend. Wenn die Sängerinnen und Sänger des Kammerchors Saarbrücken ihre Lautstärke drosseln, glaubt man sich im siebten Himmel. Man hat unwillkürlich das Gefühl, nie etwas Schlankeres oder Einfühlsameres gehört zu haben. Und wenn zudem in sanftem Diminuendo die Stimmen „hinwegsterben“, sich unmerklich in Nichts auflösen – hat man einen Moment chorischer Vollkommenheit erlauscht. Was die Schützlinge des Chorgründers und Dirigenten Georg Grün am Sonntag in der Saarbrücker Ludwigskirche leisteten, war absolute Spitze. Das Konzert der Tage alter Musik im Saarland (Tamis) mit Anthems (Motetten) von Purcell und Händel steigerte sich zur Demonstration der Sangeskunst von höchster Präzision und Konzentration. Nur wenige Chöre stehen ähnlich selbstbewusst über den hohen technischen Ansprüchen der Partitur. Ganz zu schweigen von der scheinbaren Leichtigkeit, den melodischen und harmonischen Mäandern des Musikflusses ohne Havarie zu folgen. Das war Chorgesang von äußerster Flexibilität und Einfühlsamkeit. Die Musik strömte unaufhörlich, schwebte in zartesten Tempoabstufungen und betörte mit Duft und Farbe. Die Solisten Elisa Rabanus (Sopran), David Erler (Kontratenor), Georg Poplutz (Tenor) und Adolph Seidel (Bass) halfen mit großer Expession bei der Hochleistung. Das Concerto Saarbrücken war für die präzise orchestrale Grundierung zuständig. pes

Wiesbadener Tagblatt vom 30.08.2008
Von Richard Hörnicke

„Dixit Dominus“ – der Text des 110. Psalms hat viele Tonschöpfer insbesondere der Barockzeit angesichts seiner expressiven Aussage zur Komposition angeregt. So auch Händel, der während seines Aufenthalts in Italien einer Anregung seines Gönners Kardinal Carlo Colonna, eine Komposition für eine Vesper zur Feier „Unserer lieben Frau vom Berge Karmel“ zu schreiben, nur zu gerne nachkam. Der Protestant Händel hat in diesem Werk zum ersten Mal Musik für einen katholischen Gottesdienst komponiert und ein meisterhaftes Werk geschaffen, das neben strenger kontrapunktischer Faktur italienische Stilelemente aufweist. Das Rheingau Musik Festival eröffnete in Kloster Eberbach die Möglichkeit, zwei Kompositionen des 110.Psalms zu hören. Händel fand in der Vertonung zu dramatisch fokussierter Tonsprache, deren zwingende Aussagekraft den Meister des großen Oratoriums vorahnen lässt. Dieser „heiße Atem“ des Werks war in der packenden und akzentuierten Interpretation des KammerChors Saarbrücken mit der kongenialen Begleitung des Ensembles „Le Concert Lorrain“ präsent. Die Choristen sangen ihren Part ausgewogen und sicher in den polyphonen Sätzen. Georg Grün dirigierte präzise in nuanciert ausformender Zeichengebung, als Solisten fungierten stil- und koloraturensicher Myung-Hee Hyun und Anne Kathrin Fetik (Soprane), Alex Potter (Altus), Georg Poplutz (Tenor) und Markus Flaig (Bass). Auch Antonio Vivaldis „Dixit Dominus“ nähert sich dem Text in sehr plastischer und auch kontrapunktisch meisterhaft beherrschter Form. Doch ist immer wieder ist der Instrumental- und Opernkomponist gegenwärtig, im weichen Streicherton, den bezeichnenden Wendungen und eingestreuten Trillern, doch bezwingt auch in diesem Werk die Vivaldi eigene Klangsinnlichkeit, die von Solisten, Chor und Orchester exzellent verwirklicht wurde. Zu diesen beiden Kompositionen traten eine Interpretation von Marc-Antoine Charpentiers „Magnificat“ sowie das vom Chor a capella gesungene, von dem schwedischen Komponisten Sven David Sandström bearbeitete Anthem Henry Purcells „Hear my prayer, o Lord“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.08, Ausgabe Rhein-Main unter der Rubrik „Kultur“

Vergleich der Barockgiganten Händels und Vivaldis „Dixit Dominus“ in Eberbach

Besonders friedliebend klingen die Worte des Psalms 110 nicht. Vielmehr geht es in martialischem Ton um göttlich legitimierten Herrschaftsanspruch und die Unterwerfung heidnischer Feinde. Trotz oder gerade wegen seiner kraftvollen Archaik ist der traditionell für die abendliche Vesper bestimmte Text“Dixit Dominus“ aber immer wieder von zahlreichen Komponisten vertont worden, von Monteverdi bis Mozart. Zwei Versionen standen sich beim beim Rheingau Musik Festival in der Basilika von Kloster Eberbach sozusagen als Vergleich gegenüber: Händels „Dixit Dominus“ HWV 232 und Vivaldis RV 594. Mit Händels satztechnisch anspruchsvoller Psalmvertonung hatten sich der hervorragend disponierte Kammerchor Saarbrücken und das Instrumentalensemble „Le Concert Lorrain“ ein in der Polyphonie hochkomplexes Werk aufgebürdet, das in der hallenreichen Akustik vollste Konzentration erforderte. Bei rasant gewählten Tempi unter der Leitung von Georg Grün verschwamm manches, doch behielten die großen Effekte ihre Wirkung. Die fünf Solisten, die auch in Vivaldis „Dixit Dominus“ gefordert waren, fügten sich gut und ebenso stimmig in das Ensemble nach historischer Praxis profilierte Klangbild – allen voran die koreanische Sopranistin Myung-Hee Hyun, die bei Händel und Vivaldi jeweils sehr ähnlich angelegte Arien mit instrumentaler Leichtigkeit vortrug. gui

Bruckner: Messe in e

(sl) Eine beeindruckend spannungsreiche Interpretation dieses Standardwerks der Oratorienliteratur, für viele dennoch ob der schwierigen Intonationsanforderungen unerreichbar. Ganz anders der Saarbrücker Kammer-Chor. Scheinbar mühelos singt er die schwierigen a-cappella-Passagen und verschmilzt anschließend vollkommen zu einer klanglichen Einheit mit den Bläsern. Auch wenn man sich bei Bruckner eher die Fülle eines großen Oratorienchores vorstellt, tut die Kammerbesetzung der Interpretation eher gut. Weite Spannungsbögen bis ins ersterbende Pianissimo (Kyrie) gelingen ebenso wie Brucknersche Klangwucht in Gloria oder Credo. Beeindruckend auch die dynamische Breite des Chores im a-cappella-Requiem von Rheinberger. Klare Artikulation und Romantische Klanglichkeit verschmelzen aufs Feinste zu einer absoluten Referenzaufnahme der dargeboten Werke.

Württembergische Blätter für Kirchenmusik, 2/2010

Bruckner, A. / Rheinberger, J. G. (Grün)
„Musik an sich 9/08“ – Sven Kerkhoff
Messe in e / Requiem
Info
Musikrichtung: Romantik
VÖ: 01.07.2008

DIE HOHE SCHULE DES CHORGESANGS
Es reichen die ersten Takte von Bruckners Messe in e um zu wissen: Dies ist eine DER Chor-CDs der letzten Jahre. Herrlich empfindsam und farbig lässt der KammerChor Saarbrücken unter seinem Leiter Georg Gründie Töne aufblühen und schafft dabei eine Atmosphäre von solcher Dichte, dass sie den Hörer sogleich gefangen nimmt. Das kann man nicht hoch genug bewundern, denn zum einen ist die 1869 uraufgeführte Messe ein sängerisch höchst anspruchsvolles Werk für achtstimmigen Chor, zum anderen stellt sie mit ihrem steten Wechsel zwischen kirchenmusikalischer Archaik und modernen Klangwirkungen auch beachtliche Anforderungen an den Zuhörer.
Wer Bruckner eher als Sinfoniker kennt, wird überrascht davon sein, dass hier die großen Klangflächen vollkommen fehlen, vielmehr feinste Nuancen und dissonante Verschiebungen dominieren. Ergänzt wird das ganze durch eine Bläserbegleitung von Oboen, Klarinetten, Fagotten, Hörnern, Trompeten und Posaunen, deren Stimmen nicht lediglich den Chorgesang stützen, sondern eigenständig auskomponiert sind. Bruckner entschied sich für diese ungewöhnliche Gestaltung des Orchesterparts deshalb, weil die Messe für eine Aufführung unter freiem Himmel bestimmt war.
Die Messe lebt nicht zuletzt von ihren geschickt eingesetzten Kontrasten. Vom wiegenden Flüsterton bis zum expressiven Fortissimo-Gesang reicht die Palette, wobei der Messtext sensibel ausgedeutet wird. Der Chor reizt dieses Spektrum bei durchweg homogenem Klang in vorbildlicher Weise aus und heißt damit all jene schweigen, die behaupten, Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts sei durchweg süßlicher Cäcilianismus.

Dieses Attribut mag schon eher Rheinbergers (1839-1901) Requiem in Es zukommen. Es ist der kleine Bruder der zwei Jahre zuvor entstandenen Totenmesse in b, op. 60, reicht aber an jene im kompositorischen Anspruch nicht heran. Dies war durchaus Absicht, kennzeichnete doch schon das Titelblatt des Erstdrucks das vierstimmig a cappella darzubietende Werk als „leicht ausführbar“. Die homophone Stimmführung und die choralartig schlicht gewählten Themen gewährleisten das Erreichen dieser Zielsetzung. Durch sie strahlt das Werk absichtsvoll zwar eine große Ruhe und Harmonie aus, kommt dabei aber letztlich über das Niveau durchschnittlicher liturgischer Gebrauchsmusik nicht hinaus.
Dem KammerChor Saarbrücken gelingt es ungeachtet dessen auch hier, seine Qualitäten auszuspielen und durch eine blitzsaubere Intonation zu überzeugen.

Hier folgt ein Totalverriss:

Benjamin-Gunnar Cohrs
NEUE CHORWELT 9/08

Anton Bruckner MESSE NR. 2 E-MOLL LIBERA F-MOLL J. G. Rheinberger REQUIEM OP. 84
Kammerchor Saarbrücken Bläser der Kammerphilharmonie Mannheim, Georg Grün Carus CD 83414 Total Time: 59:30
Bruckners enorm schwere e- moll-Messe für Doppelchor und Blasorchester beginnt vielversprechend, doch schon im „Christe“-Teil gehen die Probleme los. Immer öfter ist die Intonation in sich schwankend; viele komplexe Stellen wirken angestrengt, mitunter geradezu wie gestemmt. Georg Grün gelingt es insgesamt nicht, die großen Bögen der Messe zu einem spannungsvollen Ganzen zu einen. Darüber trös- ten auch einige stimmungs- volle Momente des Chores (z. B. Schluss des Kyrie, Incarnatus, Agnus Dei), die beredte Phrasierung, klare Textdeklamation und nicht zuletzt die tadellos musizierenden Bläser nicht ganz hinweg. Allerdings scheint die recht trockene Akustik des Musikstudios 1 des Saarländischen Rundfunks nicht sonderlich geeignet für ein Chorwerk, das auf die Klangverhältnisse großer Kirchen zugeschnitten ist. Irritierend ist auch die oft nahe an der Grenze zur Übersteuerung liegende Auspegelung der Dynamik wie auch die jeweils andere Klang-Atmosphäre in den nachfolgenden beiden Werken, inklusive offenbar einer guten Portion künstlicher Nach-Verhallung, die in Rheinbergers Requiem gottlob sparsamer ausgefallen ist. Letzteres ist auch die eigentliche Entdeckung dieser Produktion – ein viertelstündiges, motettenhaft-schlichtes, doch von innen geradezu leuchtendes Werk für vier-
stimmigen Chor a cappella, das sich zum Beispiel vor Chorwerken von Brahms nicht zu verstecken braucht. Hier geben der Kammerchor
Saarbrücken und sein Gründer und Leiter Georg Grün eine weitaus bessere Visitenkarte ab.

Große Messe, kleineres Requiem
Kritik von Dr. Matthias Lange, 19.09.2008

Interpretation: ****
Klangqualität: ****
Repertoirewert: ***
Booklet: ***
Anton Bruckners Musik mit der Persönlichkeit des Komponisten in Beziehung zu setzen, ist für viele Exegeten reizvoll gewesen und in mancher Hinsicht auch ertragreich: Die langsame Emanzipation Bruckners auf dem – nie ganz zu Ende gegangenen – Weg hin zu selbstbewusstem und vor allem selbstbestimmtem Künstlertum ist nur ein interessanter Aspekt in diesem Kontext. Deutlich spiegelt sich das in der Obrigkeitsorientierung, ja Hörigkeit des Künstlers, in dem nie versiegenden Wunsch, sich die eigene musikalische Kompetenz bescheinigen zu lassen. Und auch die stetige Bereitschaft des Komponisten, seine Werke nach den tatsächlich oder vermeintlich wohlmeinenden Ratschlägen seiner Schüler und Weggefährten beinahe fortdauernd umzuarbeiten, gehört in diesen Zusammenhang.
Gleichwohl zeigt sich der expressive, auch ästhetisch entschiedene und absolut reife Musiker schon in den 1860er Jahren – in den frühen sinfonischen Arbeiten, aber auch in der 1869 erstmals aufgeführten Messe in e-Moll WAB 27. Schon hier findet sich die dynamische Komplexität, die auch seine späteren Sinfonien kennzeichnet. Fugierende Abschnitte verweisen auf Bruckners intime Kenntnis der alten Satztechniken, der enorme harmonische Reichtum deutet jedoch auch auf die ganz aktuellen musikalischen Entwicklungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Gekoppelt ist die große Bruckner-Messe auf der vorliegenden Platte mit dem erstmals eingespielten Requiem in Es von Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901). Diesem vor allem in Bayern wirksamen Komponisten wurden in letzter Zeit eine Reihe von Einspielungen gewidmet. Sein klein dimensioniertes, kaum zwanzig klingende Minuten umfassendes Werk kann durch einen gleichmäßigen, strömenden Satz in großen Bögen überzeugen. Aber im – zugegeben nicht ganz fairen – Vergleich mit Bruckners Messe werden die fehlende kompositorische Dichte und Raffinesse, die wenig ausgeprägte Expressivität sehr deutlich. Diese Ebenen werden angedeutet, aber nicht durchmessen. Die extrem knappen Sätze gehen damit auch beinahe folgerichtig an fast allen textlichen Herausforderungen und Chancen vorbei. Es handelt sich zweifelsfrei um – auch vom Komponisten selbst so eingeschätzte – Gebrauchsmusik.

Sehr ansprechende Interpretation

Der KammerChor Saarbrücken punktet in dieser Aufnahme in vielerlei Hinsicht: Er überzeugt durch klar konturierte Register, was sich schon im schwebenden Kyrie der Bruckner-Messe erweist. Hier kommt auch eine zweite Stärke zum Tragen: Die stabile Intonation wird durch den Lackmustest der nach langen Passagen des bloß chorischen Musizierens einsetzenden Bläser betont. Im dynamischen Bereich gelingen vor allem die fein gezeichneten Linien, widerstehen Chor und Dirigent der Versuchung, nach einmal erreichtem Forte-Höhepunkt in dieser ‚Arbeitslautstärke’ weiter zu agieren. Gleichwohl ist auch das konzentrierte Klangvolumen überzeugend, werden die großen Stimmumfänge der einzelnen Stimmen souverän bewältigt, klingen die Sekundreibungen und generell die Spannungsklänge selbstverständlich. Ebenfalls gut ausgehörte Akkordverbindungen in den zarten Schlüssen sind ein weiterer Pluspunkt der Interpretation.

Georg Grün gelingt eine sehr zutreffend gearbeitete Bruckner-Messe, die den gravierenden, vordergründigen Versuchungen nicht erliegt. Grün integriert die ebenso geschmeidigen wie kraftvollen Bläser und überwindet den der e-Moll-Messe zugeschriebenen Ausdruck der Sperrigkeit und Unzugänglichkeit, ohne das Werk weichzuspülen. Gleichzeitig wird die erhebliche ästhetische Differenz präsentiert die den älteren Bruckner vom jüngeren Rheinberger trennt.

Badische Zeitung 10.4.2007

Der Kammerchor Saarbrücken gastiert mit Bruckners e-Moll Messe im Burghof Lörrach

Liebeskummer, das Thema das Anton Bruckner sein Leben lang begleitete, ließ ihn den Weg in eine ungeheuer tiefe Verinnerlichung finden. Halt fand er nur noch im Glauben. In seiner Wiener Zeit brachte ihm seine strenge Religiosität zwar den Stempel des „Wagnerianer“ ein, dessen Antisemitismus er sich aber nie anschloss. „Für alle seelischen Wunden und irdischen Enttäuschungen fand er wieder Trost in seinem Schaffen und in Gott, zu dessen Ehre er im Spätsommer 1866 seineMesseNr. 2 in e-Moll für achtstimmigen Chor und Bläserensemble schrieb.“Mit dieser Komposition und fünf Motteten aus der Feder Anton Bruckners gestaltete der Kammerchor Saarbrücken zusammen mit Bläsern der Kammerphilharmonie Mannheim unter der Leitung von Georg Grün ein ganz außergewöhnliches und ergreifendes Karfreitagskonzert im Burghof Lörrach.Mit sensibelster Präzision und höchster Musikalität zeigte der Chor sowohl seine a capella Fähigkeiten wie auch dramatische Gestaltungsfähigkeit, die in der sinfonisch anmutenden Komposition der e-Moll Messe zu finden ist.
Der erste Teil des Konzerts beinhaltete die Motetten Locus iste, Os justi, Virga Jesse und Christus factus est, alles Werke der Wiener Zeit, die das in Linz geschriebene Ave Maria einrahmten. Schon mit den ersten Klängen vermochte Georg Grün, Professor für Chorleitung an der Musikhochschule Mannheim, zusammen mit seinem Chor das Publikum zu fesseln. Die hohe Konzentration, die zeitweise eine regelrecht elektrisierende Spannung zwischen Dirigent und Chor erzeugte, übertrug sich während des gesamten
Konzerts auch auf das Publikum. Die Zuhörer konnten den Worten lauschen, denn man verstand jedes einzelne in absoluter Deutlichkeit. Die Aussprache fügte sich in das musikalische, sehr dynamische Bild, legte dadurch die Grundierung mit deutlicher Rhythmik, um die oft in Achtstimmigkeit gipfelnde kontrapunktische Harmonik der Brucknerschen Musik in klaren Bögen zu malen. Offene und weiche Höhen imSopran und Tenor gepaart mit den sicheren Altund Bassstimmen ergaben einen wohltuend harmonischen Chorklang. Welch immense Intonationssicherheit in diesem Chor steckt, bewies der zweite Teil des Konzerts. Denn gleich zu Beginn des Kyrie der e-Moll Messe beginnt der Chor a capella. Spannend wird es dann nach den einleitenden Takten, wenn die Bläser einsetzen. „Astrein“, ehrlicher kann es selbst der kritischste Zuhörer nicht ausdrücken.Mehrfach kommt diese Herausforderung in der Messe vor, nie kamen Zweifel auf. Auch die am Ende des Gloria mächtig und fast kühn in der Komposition wirkende Fuge ist geprägt von der Reinheit des Gesangs und der im gesamten klaren Führung des Dirigenten. Das Spiel der Bläser der Kammerphilharmonie Mannheim schien in der gesamten Messe mit dem Chor stimmlich und gleichzeitig sinfonisch zu verschmelzen.
„Bei der Brucknerschen Musik muß man sich Zeit nehmen“, so Georg Grün im einführenden Gespräch vor dem Konzert. Zwar war dies eher auf die Tempi der Kompositionen bezogen, doch das Publikum hätte sich gerne insgesamt noch mehr Zeit für diese Musik, vorgetragen von einem so hochkarätigen Ensemble, genommen. Doch Georg Grün wollte bewusst das Agnus Dei der Messe als liturgischen Ausklang am Karfreitag stehen lassen.
Regina Walz

[…] Der durchweg exzellente Kammerchor Saarbrücken und die Kammerphilharmonie Mannheim bieten eine hervorragende Interpretation. Ungemein leicht der Chor, womit er dem Wort „Kammer“ im Namen alle Ehre macht. Sehr akkurat das Orchester. Tüchtig die Solisten. Historisch informiert, wie man heute gelegentlich sagt, der Klang. Dem engagierten Dirigenten Georg Grün, der als Professor für Chorleitung an der Musikhochschule Mannheim tätig ist, glückte eine Aufnahme mit Referenzcharakter.Johann Michael Haydn: Das bedeutet Musik, die es lohnt, wieder entdeckt zu werden. Es ist an der Zeit, auch den weniger bekannten Haydn angemessen ins Musikleben zu integrieren – vielleicht sogar über die Kirchenkunst und übers Gedenkjahr hinaus.

Johannes Adam
Quelle: Badische Zeitung, 10.08.06, S. 11

[…] Eine wichtige und gute Aufnahme anlässlich des Haydn-Jahres, zu der Ausführende und Verlag in gleicher Weise zu beglückwünschen sind!

Walter Sengstschmid
Quelle: Singende Kirche Heft 3, 53.Jg. 2006, S. 216

[…] On s’émerveille en effet devant la structure intelligente du chœur, capable de dessiner un contrepoint parfait dans les fugues et de traduire une émotion sincère dans les moments clés du texte liturgique.

PiRath
Quelle : pizzicato 11/2006

Michael Haydn wurde von seinen Zeitgenossen als hervorragender Kirchenkomponist geschätzt. Seine Kirchenmusik, vor allem die Messen, galten als Musterkompositionen katholischer Kirchenmusik.[…]

Nach langem Dornröschenschlaf des ergänzten Requiems hat nun der Carus-Verlag das Werk in der Fassung Kronecker in sein Programm aufgenommen. Der KammerChor Saarbrücken und die Kammerphilharmonie Mannheim haben unter der Leitung von Georg Grün eine erfrischend vital musizierte Ersteinspielung unternommen. Insgesamt eine sehr gute Aufnahme, nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden Solisten.

Cordula Scobel
Quelle: Musik und Kirche, Nov/Dez 2006

[…] Der Mannheimer Professor für Chorleitung Georg Grün lässt den ausgesprochen klangschönen Chor und das an der historischen Aufführungspraxis geschulte Kammerorchester durchsichtig und locker musizieren, das ausgeglichene Solistenquartett fügt sich nahtlos in den Stil der lebendigen, fein ausgearbeiteten Aufführung. […]

Sixtus König
Quelle: www.klassik-heute.de, 04.04.2006

[…] Diese Vergleichseinspielung (Helmuth Rilling, hänssler classics 1991) kann es allerdings in puncto Engagement und Dramatik nicht mit Georg Grüns Interpretation aufnehmen. Gerade der KammerChor Saarbrücken, der die Hauptlast trägt, erweist sich als homogener, beweglicher Klangkörper, der von der Kammerphilharmonie Mannheim souverän begleitet wird. […]

Sven Kerkhoff in „Musik an sich“

[…] Der durchweg exzellente Kammerchor Saarbrücken und die Kammerphilharmonie Mannheim bieten eine hervorragende Interpretation. Ungemein leicht der Chor, womit er dem Wort „Kammer“ im Namen alle Ehre macht. Sehr akkurat das Orchester. Tüchtig die Solisten. Historisch informiert, wie man heute gelegentlich sagt, der Klang. Dem engagierten Dirigenten Georg Grün, der als Professor für Chorleitung an der Musikhochschule Mannheim tätig ist, glückte eine Aufnahme mit Referenzcharakter. […]

Sixtus König in „Klassik-Heute.com“ Bewertung: 30 von 30 Punkten

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Karfreitagskonzert mit dem KammerChor Saarbrücken (19. April 2006)

Chorgesang-Sternstunde
Bachs groß angelegte Motette „Jesu meine Freude“ stellt mit seiner komplexen Struktur seinen heikelsten Läufen und einer schonungslosen Durchhörbarkeit höchste Anforderungen an jeden Chor. Georg Grün und seinem 22-köpfigen KammerChor Saarbrücken gelingt beim 2. Boswiler Meisterkonzert ein beeindruckendes, überaus spannendes Ganzes.
Der Klang ist kernig, rund und voll, keine Stimme dominiert, alles ist perfekt ausbalanciert. Herrlich die dunklen Bässe, die locker agierenden Tenöre. Scheinbar mühelos perlen die Sechzehntel, trotz großer Intensität und Kraft bleibt alles luftig leicht und durchhörbar. Die Bedeutung des Textes steht im Zentrum, jedes Wort erfährt die richtige Nuancierung und klangliche Färbung – selten hört man derart mitreißenden, packenden Chorgesang.

In der Chorfassung des Orgelwerkes „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 625) werden Arien und Duette jeweils von der ganzen Stimmgruppe gesungen – die Präzision bleibt vorbildlich, die Homogenität der stimmen macht staunen. Im Halleluja des ersten Chorverses entschwebt der Chor in übersprudelnd swingende Jazzsphären.

Für Albert Schweitzer gehörte die berühmte Kreuzstabkantate zum Herrlichsten, was Bachs Vermächtnis birgt. Der Bariton Jens Hamann singt den umfangreichen Solopart mit frischer, heller, nicht immer vollkommen freier Stimme. Stets ist der junge Sänger darum bemüht, Klangstärke, Klangfarbe und Wortakzent miteinander zu verbinden. Wort und Musik bilden so eine jederzeit sinnstiftende Einheit. Die zweite große Bariton-Arie wird von einer Solooboe begleitet. Omar Zoboli meistert den anspruchsvollen Part mit Anstand, ohne jedoch vollumfänglich überzeugen zu können. Das Continuo ist mit Cello, Orgelpositiv und Kontrabass vergleichsweise üppig besetzt. Zusammen mit zwei Violinen und zwei Violas ergibt sich ein Kleinstorchester, bestehend aus den Stimmführern des Kammerorchesters Basel. Es wird auf hohem Niveau musiziert.

Daniel Polentarutti in der Aargauer Zeitung vom 19.4.2006

Im Frankfurter Dom am 4. März 2006: „Keine Angst vor einem düsteren Tod“

Bei den Frankfurter Domkonzerten erklang ein Requiem von Michael Haydn, das erstmals seit 127 Jahren wieder aufgeführt wurde.

Die Entstehungsgeschichte zu dem lange Zeit verschollenen Werk des Bruders von Joseph Haydn ist zwar nicht ganz so spektakulär wie die des Mozart-Requiems, aber es gibt doch einige Parallelen: Michael Haydn, der mehr als 40 Jahre im Dienste des Salzburger Fürsterzbischofs stand und Mozart nach dessen Weggang aus der Stadt als Hof- und Domorganist beerbte, schrieb – neben dem bekannten Requiem in c-Moll – im Auftrag der österreichischen Kaiserin gegen Ende seines Lebens noch eine zweite Totenmesse in B-Dur, die er unvollendet hinterließ. Die bis dahin komponierten Teile erklangen zu seiner Beerdigung 1806. Erst drei Jahrzehnte später hat ein Benediktinerpater des Stifts Kremsmünster das Werk ergänzt und aufgeführt, 1879 erklang es zum letzten Mal im Kloster und verschwand daraufhin in den Archiven.

Knapp 130 Jahre später hat der Stuttgarter Carus-Verlag das Notenmaterial des Requiems neu ediert. Der Kammerchor Saarbrücken und die auf historischen Instrumenten spielende Kammerphilharmonie Mannheim haben es nun im Frankfurter Dom gemeinsam mit den Gesangssolisten Lydia Teuscher (Sopran), Manami Kosano (Alt), Julian Pregardien (Tenor) und Jens Hamann (Bass) unter der Leitung von Georg Grün auf sehr inspirierende Weise erstmals wieder zum Klingen gebracht – ein Werk, das alles andere als düster und angstvoll ist, das eher milde, fast heiter stimmt, auf alle Fälle mit seiner kontrastreichen Tonsprache, mal empfindsam wie Schubert, mal martialisch („Dies Irae“), sehr lebhaft wirkt und dabei dem Repräsentationsgeschmack der damaligen Zeit huldigt. Der Applaus galt am Ende aber nicht nur dieser lohnenden Entdeckung, sondern auch der Programmbereicherung durch Michael Haydns „Christus Factus Est“ und vier Mozart-Stücken, darunter das schwebende „Ave Verum“ und die kurze Psalmmotette „God Is Our Refuge“, das erstaunliche Werk eines Neunjährigen, das in nur 30 Sekunden die ganze Genialität offenbart.

Taunus Zeitung vom 6. März 2006

Das Ergebnis ist nicht nur für den Hörer äußerst faszinierend (und stellenweise geradezu berauschend), sondern stellt auch höchste Anforderungen an die Interpreten. Der vorzügliche Kammerchor singt stets an der oberen Grenze dessen, was ein semiprofessionelles Ensemble zu leisten vermag und tönt vor allem in den tiefen Männerstimmen wunderbar rund und satt.

FonoForum 12 / 05

In der Chorszene ist sein Name wohlbekannt, vor allem als Bearbeiter instrumentaler Werke für Chor a cappella. Das vielleicht geläufigste Chorarrangement von Clytus Gottwald ist Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“, populär geworden u. a. durch Eric Ericson, der die Bedeutung dieser Art Chorliteratur augenblicklich erkannte. Denn Gottwalds „Arrangements“ haben wenig gemein mit den üblichen Assoziationen, die dieser Begriff weckt; sie sind ernst gemeinte und ernst zu nehmende Neuansätze einer Chorliteratur, die gerade zwischen 1880 und 1920 von der stilistischen Entwicklung und den rasanten Umbrüchen zeitgenössischer Musik abgeschnitten war. Nachdem Gottwald 1960 die Stuttgarter Schola Cantorum gegründet hatte (aus der später das SWR Vokalensemble hervorging), kam es in einem Boulez-Konzert zum Schlüsselerlebnis: Ravels „Soupir“ regte bei Gottwald die Idee an, „diese Musik für Stimmen zu transkribieren, wobei mir Ligetis Technik als Motivquelle diente. Ich wollte das Neue, wie es mir in Ligetis „Lux aeterna“ begegnet war, dadurch dokumentieren, dass ich dessen écriture auf die Musik von Ravel adaptierte.“

Die vorliegende CD, herausgegeben zum 80. Geburtstag von Clytus Gottwald, vereint seine wichtigsten Chorbearbeitungen, manche davon als Weltersteinspielung. Bemerkenswert auch, auf welch hohem Niveau hier ein Laienensemble agiert, freilich eines, das längst internationalen Ruf genießt.

Quelle: Bayern 4 Klassik, Matthias Keller, 14.11.2005

A cappella-Bearbeitungen von Clytus Gottwald
Clytus Gottwald gehört zu den bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte: Als Gründer und Leiter der Stuttgarter Schola Cantorum hat der gebürtige Schlesier unzählige Chorwerke der Neuen Musik uraufgeführt. Darunter Kompositionen von Boulez, Lachenman, Ligeti und Zender. In der heutigen Chorszene ist Gottwald jedoch vor allem wegen seiner Tätigkeit als Arrangeur bekannt: Er hat zahlreiche Werke für Chor a cappella bearbeitet, die ursprünglich mit Instrumentalbegleitung gedacht waren. Rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag am gestrigen Sonntag hat die Firma Carus nun eine CD mit 20 dieser Bearbeitungen veröffentlicht, gesungen vom KammerChor Saarbrücken.

Gottwalds bekannteste Bearbeitung
„In seinem Programm hatte er von Ravel die drei Lieder nach Texten von Mallarmé. Und das erste, „Soupir“, wie ich das gehört habe, dann hab ich das als Chorgesang gehört und habe mich dann hingesetzt und hab das für Chor transkribiert.“ Nach Ravels „Soupir“ bearbeitete Gottwald das Lied „Die Nachtigall“ von Alban Berg; ein Geschenk zum Geburtstag seines Freundes György Ligeti. 1983 entstand dann seine Version von Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ – Gottwalds mit Abstand bekannteste Bearbeitung: Sie gehört heute zum Repertoire vieler europäischer Spitzenchöre und ist schon ein richtiger Schlager geworden.
Im Laufe der Zeit wollten immer mehr Chorleiter und Ensembles solche Bearbeitungen von Gottwald singen – für ihn selbst eine gute Gelegenheit, die eigenen Erfahrungen als Interpret der Neuen Musik weiter zu geben.

Nachkomponierte traditionelle Musik
„Ich bin je mehr hineingewachsen, desto mehr ich merkte, dass bei der jüngeren Generation das Interesse für das, was wir in den 60er 70er Jahren gemacht hatten, zu erlahmen begann. […] Ich wollte versuchen, mit dieser Arbeit einen gewissen Stillstand, der innerhalb der chorischen Entwicklung wieder statt gefunden hatte – dass man diesen Stillstand überwindet. Zwar mit traditioneller Musik, aber mit nachkomponierter traditioneller Musik, in die die chorischen Errungenschaften Ligetis mit eingeflossen sind.“ Diese Errungenschaften bestehen für Gottwald vor allem in der besonderen Aufmerksamkeit für jede einzelne Stimme: „Das ist etwas, was ich übernommen habe, indem ich sagte: Wenn ein Chor klingen soll, dann muss die einzelne Stimme so artikuliert sein, als ob sie solistisch wäre. Und das bringt dann plötzlich diesen reichen, fluktuierenden Klang. Bewusst ausgearbeitet findet sich das etwa in den Wagner-Transkriptionen.“

Renaissance-Musik
Gottwalds Bearbeitungen profitieren jedoch nicht allein aus seiner Beschäftigung mit der Neuen Musik. Mindestens ebenso intensiv hat er sich mit der Renaissance-Musik von niederländischen Komponisten wie Josquin auseinandergesetzt – und sich ebenfalls ein paar Tricks abgeguckt. „Mit den Niederländern die Erfahrung ist die, dass ich immer darauf achte, dass die Bassregion besonders verstärkt ist. Das heißt, ich nehm viergeteilte Bässe und versuche, die tiefen Töne durch Obertöne zu stützen. Dann klingt das ganze eher wie eine Orgel als wie ein Chor.“ Passenderweise ist der KammerChor Saarbrücken insbesondere in den tiefen Bässen hervorragend besetzt – und kann Gottwalds Klangvorstellung so meistens ziemlich nahe kommen. Auf diese Weise entsteht eine sehr sinnliche, reizvolle und mitunter betörende Musik. […]

Quelle: NDR Kultur, Marcus Stäbler, 21.11.2005

Eine Sternstunde mit dem KammerChor
Saarbrücken. 15 Jahre jung ist der KammerChor Saarbrücken geworden. Der Saarländische Rundfunk widmete diesem Jubiläum die dritte Matinee. Zwar ist man mit rund 70 Stimmen der Kategorie „Kammerchor“ längst entwachsen, so wie man von der regionalen Bedeutung hineingewachsen ist ins internationale Renommee. Was Dirigent Georg Grün aus diesem Chor gemacht hat und was er mit ihm machen kann, ist bewundernswert. Mit György Ligetis Klangflächenkomposition „Lux aeterna“ erreichte er gestern fast sphärische Entrücktheit. Auch wenn die Choraufstellung die räumlichen Effekt-Möglichkeiten von Thomas Tallis „Spem in alium“ nur andeuten konnte, erhielt man einen Eindruck von der Raffinesse dieser an venezianischer Mehrchörigkeit orientierten Komposition für acht Chöre, deren 40 Stimmen sich an vier Höhepunkten zusammenfügen. Max Regers reich chromatisches „O Tod, wie bitter bist du“ fand eine Expressivität, die der dunklen Stimmung des Totensonntags entsprach. Dass Grün auch mit dem Orchester umzugehen weiß, zeigte er in Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“. Im Gegensatz zur liturgischen Bitte um Erlösung der Toten steht bei Brahms der lebende, Trauer und Leid tragende Mensch im Vordergrund. Man konnte Clara Schumanns Worte nachvollziehen: „Mich hat dieses Requiem ergriffen, wie nie eine Kirchenmusik. (…). Lasst den (Brahms) nur mal den Zauberstab ergreifen und mit Orchester und Chor wirken.“ Georg Grüns Wirken und das des Chores war wunderbar: Was für eine Präzision, welche Klangintensität, welche Intonation, welche Deklamation! Was für eine mitreißende Dramatik und welche Innerlichkeit ohne sentimentales Pathos! Dazu trug auch die ideale Besetzung der Solisten bei: Carolyn Sampson mit leuchtendem Sopran und Christian Gerhaher mit edel strömendem Bariton. Und auch das Rundfunk-Sinfonieorchester, das fast wie ein zweiter Chor klangschön korrespondierend mitgestaltete. Eine Aufführung, die einen tiefen Eindruck hinterlässt.

Die fehlende Präsenz des Corneliusschen Oeuvres in der heutigen Chorlandschaft hat nicht zuletzt ihren Grund in der Schwierigkeit, die dynamisch-dramatische Vorstellungswelt des Komponisten adäquat umzusetzen. Georg Grün macht sie mit dem KammerChor Saarbrücken überzeugend hörbar: weit tragende Phrasierungen, die der Harmonik klug Rechnung tragen und insbesondere in den Piano-Stellen die Werke exzellent durchhörbar machen. Im Forte fällt der sonst sehr modulationsfähige und die Dichte der romantischen Klangfarben mühelos führende Chor ein wenig auseinander. Dadurch wird mitunter auch die Textverständlichkeit beeinträchtigt. Spannungsvoll und von pulsender Kraft sind insbesondere die Drei Chorgesänge op. 11 nach Heine und Rückert.

Crescendo – Das Klassikmagazin 4/2004

An der Grenze zwischen Erhabenheit und Pathos: Cornelius‘ Chorwerke
Peter Cornelius (1824-1874) ist uns heute am ehesten noch als Komponist der Oper „Der Barbier von Bagdad“ bekannt. Sein Vorbild und Lehrer Franz Liszt allerdings glaubte ihn zum Kirchenkomponisten bestimmt. Die Einflüsse Liszts und Wagners sind dann auch in seinen a-capella-Chorwerken unüberhörbar. Sie sind durchweht vom Geist der Neuromantik, einem manchmal schwelgerischen, bisweilen auch diffusen Ton. Manch pathetische Stelle wirkt doch eher bonbonsüß und eine Männergesangsvereins-Ästhetik im Chorklang ist einigen Sätzen nicht fremd.

Interessant machen die Stücke vor allem die stark chromatische Kompositionstechnik und das Bemühen Cornelius´ um eine musikalische, bisweilen tonmalerische Textausdeutung. Diese mag manchmal fast aufdringlich erscheinen, muß aber vor dem historischen Hintergrund des Strebens nach musikalischer Wahrhaftigkeit im Ausdruck begriffen werden.Das dichteste und reichste Werk auf dieser CD ist ohne Zweifel das knapp 9minütige namensgebende Requiem „Seele, vergiss sie nicht“ auf einen Text von Friedrich Hebbel. Mit vielerlei harmonischen Modulationen wird der Empfindungsgehalt des Gedichts nachvollzogen. Unter der Leitung von Georg Grün geht der gut disponierte KammerChor Saarbrücken dabei sehr behutsam zu Werke, spürt den feinen Veränderungen aufmerksam nach und läßt das Stück mit schwebender Ruhe ausklingen.Auch in den übrigen Kompositionen erweist sich der Chor als kundiger und fähiger Sachwalter: Das populäre „Die Könige“ aus den Weihnachtsliedern op. 8 gefällt auf diese Weise nicht weniger, als Cornelius´ letztes Chorwerk „So weich und warm“. Die Chorsätze, die oft auch auf traditionelle Elemente (Choräle, Antiphon usw) zurückgreifen, erweisen sich dabei durchweg als technisch anspruchsvoll.

Besonders bemerkenswert sind noch die Drei Psalmlieder op. 13, denen Cornelius Arrangements von Klaviersätzen J.S. Bachs zugrundelegte. Die wenigen Solo-Passagen für Tenor bewältigt der erfahrene Jörg Mammel ohne Probleme und sein inniger Vortrag steht dem des Chores in nichts nach.Das Klangbild ist räumlich weit bis hallig, was dem Charakter der Werke durchaus entspricht.Sven Kerkhoff, Musikansich.de, April 2004SEELE, VERGISS SIE NICHT: Requiem „Seele, vergiss sie nicht“; Liebe op. 18; Trauerchöre op. 9; Drei Chorgesänge op. 11; Absolve Domine; Drei Psalmlieder nach Klaviersätzen; Johann Sebastian Bachs op. 13; So weich und warm; Die Könige (aus Weihnachtslieder op. 8) – Hans Jorg Mammel, tenor; KammerChor Saarbrucken/Georg Grun –

The choral music of Peter Cornelius is not yet as well represented in the choral repertoire, as it deserves to be. Nevertheless his Requiem – Seele, vergiss sie nicht, for example, is one of the truly great romantic choral works. Cornelius developed fine nuances in tempo and dynamics and thereby created wonderful, vivid romantic pictures in sound. With this recording the international established KammerChor Saarbrücken and his director Georg Grün present an impressively sonorous interpretation of this music.

Qualiton Imports Ltd., April 2004

Peter Cornelius – ein wenn nicht unbeschriebenes, dann doch fast leeres Blatt. Fast leer, denn man kennt ja zumindest ‘Die Könige’ eines der Lieder, die in jedem in gymnasialen Musiksälen herumliegenden Kunstliederbuch zu finden sind. Aber Cornelius hat weit mehr an Chormusik komponiert, wofür die vorliegende Aufnahme Zeugnis ablegt. Und was für ein Zeugnis! Das erste der hier aufgenommenen Werke, ‘Requiem’ benannt, entstand 1863. Es basiert auf dem Gedicht ‘Seele, vergiss sie nicht’ von Friedrich Hebbel; von Cornelius wird dies in einen kontrastreichen, dichten, sechsstimmigen Chorsatz verwandelt, ein Werk, das als Herzstück dieser Aufnahme die a-cappella-Chorkunst des Komponisten in bestem Lichte erstrahlen lässt. Schon der Anfang, der mahnende Ruf ‘Seele, vergiss sie nicht, vergiss nicht die Toten!’ wird mit großer Vehemenz dem Hörer entgegengeschleudert. Doch wird der Chorklang nie unsauber oder durch dynamische Extreme angeraut. Man hat immer den Eindruck, der kraftvolle Klang entstehe durch eine weitere Verdichtung der Stimmen, die zu einem wahrlich großartigen Chorklang führt; gerade für diese Musik scheint dieser Chor in seiner dunklen Leuchtkraft prädestiniert.

Die Balance innerhalb des Chores kann nur verblüffen, die Männerstimmen fallen hier keiner Weise gegenüber den Frauenstimmen ab, ausgeglichener kann man sich einen romantischen Chorklang nicht wünschen. Sphärenklänge und archaische Kälte, Betörend, an Sphärenklänge erinnernd, beginnt das erste Werk aus dem Zyklus „Liebe“, op. 18. In den Frauenstimmen erheben sich blitzsauber intonierte Sekundreibungen, die einen flirrenden, gleißenden Klang erzeugen. Cornelius zeigt sich auch in diesem Stück als Chorkomponist par excellence. Die Strophen des „Liebe, dir ergeb ich mich“ werden kontrast- und abwechslungsreich im engen Zusammenhang mit dem Inhalt des Textes achtstimmig vertont. So wird die „Liebe, die für mich gelitten“ mit aufgeregten Stimmeinsätzen der Männer verknüpft, die „Liebe, die mich hält gebunden“ mit Nebennoten und Achtelketten symbolisiert, das „Grab der Sterblichkeit“ wird mit leeren Quintklängen in archaischer Kälte in Klang verwandelt. Hier kann der Chor alle dynamischen und gestalterischen Fähigkeiten zeigen, die aufs Beste umgesetzt werden. Auch die weiteren die religiöse Liebe ausdrückenden Werke warten mit einem dichten, gefühlvollen Chorsatz auf. Jede Nuance des Textinhalts wird hier von Cornelius in Musik verwandelt, deren Ausdruck sich in dieser Interpretation unmittelbar in verschiedenste Klangentfaltungen verwandelt. Kleinste dynamische Schattierungen gehen meist mit feinen agogischen Veränderungen einher, alles wirkt stimmig, zu einem Ganzen gerundet, so, als ob man diese Musik nicht anders interpretieren könnte.

Ein besonderes Lob gilt den Männerstimmen, die in den „Trauerchören“, op. 9 ausschließlich zum Einsatz kommen. Nichts ist hier zu spüren von träger Klangmelange, die von so manchen Männerchören – auch scheinbar sehr guten – geboten wird. Jede Stimme scheint hervorragend disponiert, die Balance ist stets fein austariert. So kann „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig“ durch kontrastreiche Satzgestaltung einen Eindruck von der Endlichkeit des irdischen Lebens hinterlassen, die durch einen fahlen, an anderer Stelle kraftvollen Klang ausgedrückt wird. Bei den „Drei Chorgesängen“, op. 11, kommt nun wieder der ganze Chor zum Einsatz. In Heinrich Heines „Der Tod, das ist die kühle Nacht“ wird von Cornelius besonders anrührend der Gegensatz von „kühler Nacht“ und „schwülem Tag“ musikalisch umgesetzt: die rhythmisch konturierte, harmonisch eindeutige Nacht wird dem undifferenziert dahinfließenden, trägen Tag gegenübergestellt.

Cornelius setzt so jede textliche Grundlage in ein individuelles klangliches Gewand. So treten z.B. im Trauerchor des „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig“ dem fünfstimmigen Männerstimmensatz drei Solostimmen gegenüber, in „Der Tod, das ist die kühle Nacht“ wird eine solistische Tenorstimme mit dem Chorklang abgewechselt. Hans Jörg Mammel setzt dieses Solo durch seine klare Diktion und eine kraftvolle, aber nie angestrengt wirkende Gestaltung anrührend um.

Auch seine Interpretation des Stücks „Die Könige“, op. 8, bearbeitet von H.G. Pflüger, kann die weihnachtliche Freude in stimmlichen Ausdruck verwandeln. Dieses Werk ist ein besonderes Kabinettsstückchen, da hier – vermutlich auf Anregung Franz Liszts – die Strophen des Weihnachtsliedes von Cornelius mit dem Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ unterlegt werden. Vorbildliche Klanggestaltung
Was dieser Aufnahme – neben ihrer differenzierten, kontrastreichen Interpretation – Lorbeeren verleiht, ist die klangliche Realisierung. Vom wie gehaucht wirkenden piano bis zum auftrumpfenden forte gibt es alle möglichen Abstufungen zu hören. Wirklich kleinste dynamische Ereignisse, sowie auch größte Kontraste werden von der Aufnahmetechnik in vorbildlicher Manier auf diesen Tonträger gebannt. Dazu kommt noch eine vollkommen natürliche Akustik, die dem Klang Luft und Raum verleiht, um sich bestmöglich entfalten zu können. Die Maria Königin-Kirche in Saarbrücken scheint hierfür der geeignete Raum zu sein.
Fazit: Diese CD muss man – als Liebhaber romantischer Chormusik – haben. Denn die Interpretation kann als absolut hervorragend bezeichnet werden. Hier stimmt einfach alles: Dynamik, Agogik, feinste Phrasierungen, weit spannende Melodiebögen, rhythmische Klarheit, beste Intonationsreinheit. Eine Referenzaufnahme.

Die Chorwerke von Peter Cornelius (1824-1874) gehörten lange Zeit zu den nahezu vergessenen Werkschätzen des 19. Jahrhunderts. „Seele, vergiß sie nicht“ heißt daher der programmatische Gesamttitel zur Rückgewinnung der hier versammelten a-cappella-Kostbarkeiten für den Konzertsaal. In mustergültigen Darbietungen des Kammerchores Saarbrücken wurden sie von seinem Leiter Georg Grün ausgewählt, einstudiert und im Beiheft samt Abdruck sämtlicher gesungenen Texte von ihm sachkundig kommentiert. Entstanden ist eine Art „Gesamtkunstwerk“, wie es für die damaligen Fortschrittler der sogenannten „Neudeutschen“ in der Anhängerschaft Richard Wagners – zu der Cornelius gehörte – durchaus zeitgemäß war.

Erste Bemühungen einer CD-Revitalisierung der Chorwerke von Cornelius reichen in das Jahr 1980 zurück und sind das Verdienst des Norddeutschen Figuralchores unter der Leitung von Jörg Straube auf Thorofon. Die bis dahin verschütteten kompositorischen Qualitäten – jenseits des Opernerfolges Der Barbier von Bagdad und der populären Weihnachtslieder für Sologesang – wurden spontan erkannt und führten zu nicht minder hörenswerten Einspielungsergebnissen mit dem englischen Vokalensemble Polyphony unter der Leitung von Stephen Layton auf Hyperion. Auch der professionelle Niederländische Kammerchor unter Uwe Gronostay erkannte den besonderen Wert des sechsstimmigen Satzes Seele, vergiß sie nicht – einer Versdichtung von Friedrich Hebbel unter dem Titel Requiem -, wie er jetzt mit gesteigerter Intensität von dem 1980 gegründeten Saarbrücker Ensemble zu hören ist. Insgesamt beweisen sämtliche Beiträge, welche Klangschätze mit ihrem faszinierenden modulatorischen Reichtum der Gegenwart allzu lange fremd geblieben sind. Sieht man von einigen sprachlichen Glättungen zugunsten des stimmlichen Wohlklanges auf Kosten der Textverständlichkeit ab, so stellt sich das rund 30 Mitglieder zählende Saarbrücker Ensemble mit seinem Beitrag hier überzeugend in die vorderste Reihe aller vergleichbaren Chorgruppierungen.

Gerhard Pätzig in klassik-heute.de (29 von 30 Punkten)

Cornelius was an unquestioned master of harmony, his use of chromaticism imaginative and unfailingly artful, his sense of text and its musical expression both intelligent and creative. The Requiem is the most substantial work here, and it’s remarkable both for its economy (just short of nine minutes) and for the sophistication of its text-setting, which is an emotionally charged, rich-textured explication of a poem by Friedrich Hebbel. This kind of deeply affecting writing characterizes all of Cornelius‘ vocal music, from his most popular song–Die Könige–to his final choral composition, So weich und warm, a short piece for mixed choir that extols the virtue and honor of motherhood. Along the way we’re treated to the composer’s ingeniously conceived psalms set to keyboard pieces by Bach and to his beautiful, Brahmsian Op. 18 cycle Liebe, for six-to-eight-part choir. The performances here can’t be faulted, nor can the open, vibrant, realistic sound that gives us an ideal seat in an acoustically complementary hall. No question, this is–and will remain–one of the year’s best.

David Vernier in: Classics today

Wenn 43 Sängerinnen und Sänger 16-stimmige Chorsätze von Gustav Mahler in der Bearbeitung von Clytus Gottwald interpretieren und dabei eine Klanglichkeit von nahezu überirdischer Schönheit, Reinheit und Intensität entwickeln, mag man nur noch bewundern und staunen. Dabei gelangen diesem weltweit ausgezeichneten KammerChor Saarbrücken unter der Leitung von Georg Grün sphärenhafte Klangschwebungen in zartestem Pianissimo, unsentimentale Melodieführung, stets durch und durch transparente Dichte und eine frappierende Modulationsfähigkeit der Chorklangfarben. Diesem höchsten Chorgenuss mit Mahler/Gottwald folgte das Auftragswerk zum Festival. „Gesänge am ersten Abend des Krieges“ des Schweden Thomas Jennefelt. Er selbst sammelte reichlich Erfahrung als Sänger bei Eric Ericson und entschied sich mit Blick auf den programmatischen Inhalt seines Werkes für Klänge gegen die menschliche Stimme. In drei Sätzen „Lamentation“, „Wiegenlied“ und „Elegie“ konzipierte Jennefelt in bewusstem Verzicht auf semantische Sinngebung ein auf den Vokalen a, u und o harmonisch sparsam ausgeleuchtetes und auf ein vielfaches Pianissimo gedämpftes Klangfeld, um die Sinnlosigkeit des äußeren wie inneren Krieges zu geißeln. Durch diese gezielte Reduktion auf ein Minimum an Klang und Ausdruck zwang Jennefelt bewusst zu einem Agieren gegen den schönen Gesang: Die Brüchigkeit der kurz einsetzenden Sopransoli ist damit vorprogrammiert, aber auch eine schwingungsarme Leere, Trauer und Fahlheit.
Der KammerChor Saarbrücken meisterte dieses die Stimmbänder strapazierende Werk mit Bravour vor und nochmals nach einem Gespräch in der Runde mit dem Komponisten, wobei im Kreis der Fachleute im Wesentlichen nur das rekapituliert wurde, was bereits im vorzüglich gestalteten Programmheft abgedruckt stand.

Christiane Franke, Main Echo, Dienstag, 4. November 2003

After such remarkable choral sensations as the Finnish Tapiola Choir and the Southg African Real Happy Singers, the WorldVoice Festival on the South Bank could easily have ended anti-climatically. That it didn’t is a tribute to the entries in this year’s Let the Peoples sing competition for amateur choirs, whose final round doubled as the festival’s finale. (…)

The Copenhagen Chamber Choir won the adult category with an impressive performance under Michael Bojesen (…) With arguably more tonal depth and control, the Saarbrücken Chamber Choir supplied weight in Cornelius and Berg to put them ahead of the Norwegian Grex Vocalis and the engaging ChorLeoni Men’s Choir, from Canada.

John Allison in The Times, 14. Oktober 2003

Lauter Lobgesänge zum Geburtstag – Saarbrücken. Zehn Jahre Fritz-Neumeyer-Akademie: Das musste natürlich gefeiert werden. Die Gründung wurde damals mit Händels „Messias“ festlich begangen – was lag also näher, als das Zehnjährige mit demselben hymnischen Werk zu bejubeln? Die Freunde der Alten Musik strömten am Sonntag in Scharen zur Saarbrücker Ludwigskirche, und eine hochkarätige Besetzung versprach viel künstlerisches Niveau. Unter Leitung von Georg Grün versammelten sich der KammerChor Saarbrücken, das Concerto Saarbrücken und die vier Solisten Anne Kathrin Fetik (Sopran), Daniel Gloger (Kontratenor), Timothy Leigh Evans (Tenor) und Jens Hamann (Bass).

Grün hat seine Chor-Sängerinnen und Sänger zu einem Spitzen-Ensemble geformt, das höchsten Ansprüchen gerecht wird. Man weiß nicht, was man mehr loben soll: den makellosen Tonansatz, die hervorragende Artikulation, das sublime dynamische Schattierungs-Vermögen oder die virtuose technische Selbstverständlichkeit. Grüns frische Art, Händels muntere Musik durch straffe Tempi aufzuschäumen, gab dem Chor Gelegenheit, das an sich handlungsarme Werk mit innerer Spannung zu erfüllen.

Enorme Leistungsdichte, die von einem sehr rein und konzentriert spielenden Concerto gestützt wurde. Trompete und Pauke bewährten sich mitunter in kniffligen Solo-Stellen. Fetiks weit gespannter Sopran blühte nach kleiner Anlaufzeit voll auf. Mühelose Höhen-Flüge veredelte sie mit unaufdringlich zartem Vibrato. Kontratenor Gloger, der den Alt-Part übernommen hatte, war in den sonoren Abschnitten am sichersten. In einem interessanten Duett maß sich seine Stimme mit der des Tenors Evans: ungewohnte, aber reizvolle Klang-Momente!

Hamanns ruhiger, sicherer Bass durchmaß nicht selten die Ton-Skala bis in „finstere“ Tiefen – war aber immer klangvoll ausgeformt und sanglich konturenreich prononciert. Diese Messias-Aufführung war in ihrer hohen Qualität dem Jubiläum angemessen und bescherte dem Publikum zweieinhalb Stunden blendende Unterhaltung.

Saarbrücker Zeitung, 7.10.2003 KULTUR Seite C5

Ein Abschied mit Wehmut – Der KammerChor Saarbrücken zählt in Europa zu den besten Ensembles seiner Art. Am Freitag war er im Dom zu Gast. Ein romantischer Ohrenschmaus.BRIXEN – „Liebe – Sehnsucht – Tod“, unter diesem Motto brachten die Sängerinnen und Sänger aus Saarbrücken Werke von Josef Rheinberger, Peter Cornelius, Knut Nysted/J.S. Bach, Max Reger, Purcell/Sandström, Felix Mendelssohn und Hugo Wolf zu Gehör. Das Herz mag beim Hören überfließen, die Eindrücke gewaltig sein, ob solch fantastischer Kompositionen, aber die Interpretation romantischer Chorwerke stellt viele Chöre mitunter vor eine nahezu unlösbare Herausforderung. Nicht aber den KammerChor Saarbrücken. Es sind Könner am Werk, die von einem versierten und erfahrenen Mann Namens Georg Grün geführt werden. Bereits auf den ersten Blick lässt sich ein eingespieltes Team erkennen. Die Sänger wissen genau, was ihr Dirigent will, und sollte ihn einmal die Lust der Improvisation packen, wird sofort reagiert.

Grün lockt die Sänger und modeliert die Klangkultur immer wieder neu. Die stimm- und satztechnisch überaus schwer zu singenden Rheinberger- oder Cornelius-Werke kommen aus aus einem Guss. Es sind Kompositionen – insbesondere Cornelius‘ „Liebe“-Zyklus – die eine unbeschreibliche Stimmung erzeugen. Man gelangt während des Hörens in einen sich mit der Welt aussöhnenden Zustand. Man schwebt zwischen Weinen und Lachen, zwischen Trauer und Genuss, lässt sich vom Klang von der kompositorischen Idee gefangen nehmen, und möchte am liebsten für immer verweilen. Der Kammerchor drängt und lockt den Zuhörer, fesselt ihn mit einer Chorklangdisziplin, die einzigartig ist. Keine Stimmgruppe ist zu laut, die Reihen eng geschlossen wird romantisch geschwelgt und Cornelius‘ „Requiem“ sehr ergreifend intoniert. Immer wieder lässt sich der Bass geschmeidig hören, kommt der Tenor von weiter Ferne her, steigert sich und endet im beherrschten und kontrollierten Nichts. Der Sopran weiß zu führen, und erledigt seine Aufgabe behutsam und ohne Überheblichkeit. Im Alt huscht ein Lächeln über die Lippen, und voller viruoser Inbrunst wird Konversation mit den anderen Stimmgruppen geführt. Da klingen die reinsten Schlussakkorde wie aus einer anderen Welt. Da wird Regers „Unser lieber Frauen Traum“ oder Nysted/Bachs „Komm süßer Tod“ zur Offenbarung. Mit seiner Komposition „Resignation“ hat Hugo Wolf seiner Nachwelt ein Chorwerk hinterlassen, das in seiner harmonischen Struktur und dynamischen Gestaltung wohl unübertrefflich ist. Ebenso herausragend die Komposition „Liebe, dir ergeb ich mich“ von Peter Cornellius. Allein der Text lässt erschauern, die sich wiederholenden Abschnitte erzeugen ein Wechselbad der Gefühle, und wenn sich der Abend dann mit Rheinbergers „Abendlied“ dem Ende zuneigt, stellt sich die Wehmut ein. Denn die Flucht aus den Klängen ist schwer, wie nasse Füße auf dem kalten Fliesenboden. Zwar bleibt die Musik im Ohr, wird aber schwach und immer schwächer, bis sie irgendwann ganz verschwindet. Und man möchte trotzdem noch so gerne weiter lauschen, einem Ensemble, das sich mehr Zuhörer im Brixner Dom verdient hätte. (fin)

Nach vorne – ins Licht
Saarbrücken. Keimzelle zu Alfred Schnittkes „Requiem“ war ein Klavierquintett im Gedenken an seine Mutter. Themen-Entwürfe daraus wurden 1974 zur Bühnenmusik für Schillers „Don Carlos“. Zwei Jahre war sie Hintergrundmusik einer Moskauer Inszenierung. Danach erst verselbständigte sich dieses „Requiem“ und war nun erstmals auch im Saarland, in der Stiftskirche St. Arnual zu hören. Der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grün und Instrumentalisten der Musikhochschule Mannheim hatten eine Aufführung vorbereitet, der man mehr Zuspruch gewünscht hätte.

Schnittke schrieb eine Musik „ohne die Technologie, an die ich gewöhnt war“. Dieser Verzicht auf seriell geprägte Schreibweisen eröffnet dem Hörer unkomplizierten Zugang zu einer Musik, die mitunter archaisch in ihrer tonalen Harmonik ist. Den Teilen des liturgischen Requiems fügte Schnittke nach dem Agnus Dei ein Credo hinzu – und Georg Grün weitete das Werk durch eingeschobene (fixierte) Instrumental-Improvisationen. Mit großer Homogenität und expressiv-dynamischem Ausdruck überzeugte der Chor von seiner Klasse. Die delikate Instrumentierung wurde von Schlagwerkern, Keyboardern und Bläsern differenziert realisiert. Allen voran Jörg Abbing an der Orgel, der begleitend vielfarbig mystisch grundierte und in seinen Improvisationen zu eigenen Mustern und einer Ausweitung der Harmonik fand. Im Programmheft hervorgehoben war die zuverlässige Catherine Nick (Sopran), aber auch die anderen Solo-Sänger passten sich gut in den Gesamtrahmen ein. Den sprengten fast die Schlagwerker bis hart an die Schmerzgrenze, als die Schrecken des Jüngsten Tages, zum Dies irae eingeschoben, über die Stiftskirche hereinbrachen. (…) Viel Applaus für eine beeindruckende Interpretation.

Helmut Fackler in der Saarbrücker Zeitung zum Konzert am 17.3.2002

The jury thoroughly enjoyed the singing of the choir and made comments such as „a very professional sound in extremley difficult repertoire“, „a wonderful choir – very expert and professional“. However difficult the repertoire they keep good blend, intonation and sensivity to the text“, „an excellent ensemble performance and handling of complex musical structures“, „very difficult repertoire performed with great conviction“. Very well trained voices“ „Incredible precicion in the Roijko – congratulations“ „Congratulations on some really wonderful singing and the skill you showed in the Roijko and Ravel“
Jury:
Bent Gronholdt (Copenhagen-Danish Broadcasting Corporation)
Bob Chilcott (ex King Singers – BBC Singers)
Robert Cooper (Toronto Executive Producer Opera and Choral Music)
Gustav Danzinger (ORF WIen)
Christoph Held (WDR 3 Köln)
Stojan Kuret (Conductor RTV Chamber Choir Slovenia)
Inta Piraga (Producer Latvian Radio Riga)

6. Deutscher Chorwettbewerb in Osnabrück gestartet

Die rund vierzig Sängerinnen und Sämger aus Saarbrücken legen den SChwerpunkt auf das aufgehende 19. und das beginnende 20. Jahrhundert. Sie starten mit Chorsätzen von Anton Webern, Arnold Schönberg und Alban Berg, und runden den ersten Komplex mit dem geistigen Vater der drei Zwölftöner mit Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ ab. Dabei begeistern die Sicherheit, mit der sich die Sänger durch die komplexe Harmonik bewegen und wie fragil und durchscheinend sie die Sätze gestalten.Mit einer vorbildlichen Pianokultur und perfekter Balance fügen sich die Kompositionen zu dichten, filigran gesponnenen Kunstwerken zusammen. Die ganze Bandbreite seines Könnens demonstriert der Chor mit der Uraufführung von Uros Rojkos „La bella donna dove Amor si mostra“. Geflüsterter Sprechgesang, schwingende Glissandi, schneidende Dissonanzen durchziehen dieses 16-stimmige Werk. (…) Das Werk ist extrem schwierig. Dennoch realisieren die Saarbrücker die vielschichtige Klanglichkeit der Komposition mit überwältigender Präzision.

Ralf Döring zum Eröffnungskonzert des Deutschen Chorwettbewerbs am 4. Mai 2002

Saarbrücken. Zum Abschluss der Tage Alter Musik ging es in der Saarbrücker Ludwigskirche pomphaft-feierlich zu. Eine große Anzahl Mitwirkender trug dazu bei, ein „Krönungskonzert“ auf die Beine zu stellen. Kompositionen von Antonio Caldara, Lambert de Sayve, Michel-Richard Delalande und Marc-Antoine Charpentier hatte man ausgesucht. Der Kammerchor Saarbrücken, das Concerto Saarbrücken und die Solisten Siri Thornhill (Sopran), Daniel Gloger (Altus), Andreas Weller (Tenor) und Adolph Seidel (Bass) waren unter der Gesamtleitung von Georg Grün rastlos bemüht, eine fehlerfreie Aufführung zu garantieren. Den Anfang machte ein „Tedeum“ von Caldara, das auch als Namensgeber für das Konzert diente. Dieses Werk wurde 1745 zur Kaiserkrönung Franz I. in Frankfurt am Main aufgeführt. Man erlebte eine reich ausgestattete Tonschöpfung. Daneben gab es aber auch intime Momente, in denen besonders die Solisten zu ihrem Recht kamen. Das Orchester ließ durch Genauigkeit und schönen Ton aufhorchen. Der Kammerchor überzeugte schon hier durch kraftvolles Volumen und rhythmische Präzision. In den folgenden Motetten von deSayve präsentierte er sich auch solistisch glänzend in A-cappella-Manier. Nun wollte das Orchester nicht zurückstehen und präsentierte sich in einer Sinfonia von Delalande ebenfalls solistisch. Das Stück selbst klingt nicht gerade originell, es reicht aber,um die Vorzüge der präzise spielenden Musiker deutlich zu machen. Im abschließenden Tedeum von Charpentier, das seine Berühmtheit einem Motiv aus dem „Prélude“ verdankt (Eurovisionshymne), vereinigten sich alle Mitwirkenden zum strahlenden Miteinander. Grün packte beherzt zu und meißelte die Effekte detailreich heraus.

Peter Schroeder zum Abschlusskonzert der „Tage Alter Musik im Saarland“ am 14. Januar 2002

Großer Andrang für eine lebendige Geschichtsstunde: Zur Eröffnung des Museumsuferfests gab es im Frankfurter Dom Chor- und Orchesterwerke, die dort vor langer Zeit zu wesentlich feierlicheren Anlässen zu hören waren – zu Krönungen von Kaisern. Es handelte sich großteils um Raritäten, die wahrscheinlich jahrhundertelang nicht erklungen waren. So wurden etwa Motetten von Lambert de Sayve (1548-1614), die im Kaiserdom im Jahre 1612 zur Krönung von Mathias IV. aufgeführt worden waren, speziell für das von der Tourismus und Congress GmbH, den beiden Stadtkirchen und den Frankfurter Domkonzerten e.V. veranstaltete „Krönungskonzert“ in einem Wiener Archiv aufgestöbert. Der Kammerchor Saarbrücken trug die noch an der altklassischen Vokalpolyphonie orientierten A-cappella-Sätze des kaiserlichen Hofkomponisten sehr ausdrucksvoll und ruhig „atmend“ vor. Das 1990 von Georg Grün gegründete und seither geleitete Vokalensemble erwies sich überhaupt als sehr kompetent im Umgang mit Alter Musik. Für die anspruchsvoll mehrchörigen Motetten“Regna triumphalem“ und „Iungunt regales“ teilte sich der mit jungen, gut ausgebildeten Stimmen besetzte Chor zudem in drei separat stehende Gruppen und erzielte so reizvolle Raumklang-Wirkungen. Natürlich gab es auch barock-herrschaftliches Geschmetter mit Pauken und Trompeten. So ging es gleich eingangs in dem thematisch etwas freier eingefügten „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier sehr schmissig zu, wobei das Barockensemble Concerto Saarbrücken auf seinen historischen Instrumenten – insbesondere den mit harten Schlegeln gespielten Militärpauken – einen energisch- frischen Klang produzierte. Überdies waren viele sicher dankbar, von dem im Jahre 1699 entstandenen Werk für Soli, Chor und Orchester einmal mehr zu vernehmen als die wenigen Takte der Einleitung, die man heute „Eurovisionsmusik“ nennt. Die fast nur im Ensemble und kaum für längere Arien geforderten Solisten Siri Karoline Thornhill (Sopran), Daniel Gloger (Countertenor), Andreas Weller (Tenor) und Adolph Seidel (Bass) zeigten sich ebenfalls als geübte Barocksänger, die ihre Parts schlackenfrei und mit gerader Tongebung gestalteten. So auch in dem 1724 entstandenen „Te Deum“ von Antonio Caldara (1670-1736), einer hochwertigen, harmonisch weiter greifenden, abwechslungsreichen und kompakten Komposition des von Bach geschätzten Meisters, die 1745 zur Kaiserkrönung von Franz I. im Frankfurter Dom aufgeführt wurde. In Ergänzung des ausgedruckten Programms erklang zwischendurch die „Symphonie du Te Deum“ des Franzosen Michel Richard Delalande (1657-1726), in deren drei Sätzen vor allem die Musiker an den ventillosen Naturtrompeten mit virtuosen Partien in hoher Lage glänzten. Das Konzert wurde von der Messe Frankfurt und der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH unterstützt.

Guido Holze, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.8.2001

Ein krönender Abschluss der „Tage der Alten Musik“. Die „Tage der Alten Musik “ im Saarland sind vorbei. Und das Abschlusskonzert am Sonntag in der Ludwigskirche geriet zu einem musikalischen Höhepunkt. Der KammerChor Saarbrücken , das Concerto Saarbrücken und die Sopranistin Siri Thornhill (Gesamtleitung Georg Grün ) beschäftigte sich unter dem Motto „Dresdner Barock mit Kompositionen des Böhmen Jan Dismas Zelenka (1679-1745 ). Das glich vermutlich für die meisten Besucher einer Durchforstung der weißen Flecken auf der musikalischen Landkarte, denn der ehemalige Kontrabassist der renommierten sächsischen Hofkapelle und später „Hof- Kirchen – Compositeur gehört beim Publikum nicht gerade zu den bekannten Größen.

Das ist sehr schade, denn man konnte sich in diesem Konzert davon überzeugen, dass es lohnend ist, sich mit Zelenkas Werken zu beschäftigen. Und das mit Blick sowohl auf den Interpreten als auch den Hörer. Zelenka überrascht mit tadelloser formaler Gestaltung, sauberer und anspruchsvoller technischer Durchdringung und einem melodischen wie harmonischen Einfallsreichtum, der das Mittelmaß der Zeit weit überschreitet. Seine Tempi sind mitunter straff und quirlig (Grün verstand seine Musiker zu befeuern), gewagte Dissonanzen oder ungewohnte chromatische Schleifer schärfen den Klang. Seine ganze Diktion hat etwas Frisches und ungemein Virtuoses. Davon konnten nicht nur die Instrumentalisten, die sehr rein und konzentriert spielten, ein „Lied singen“, sondern natürlich insbesondere Chor und Solistin. Mit feinem Timbre, ausgezeichneter Artikulation und dem rechten Fingerspitzengefühl für nuancierte Phrasierung gelang dem KammerChor jenes „Schweben“, das nur die ganz guten Chöre haben. „Haec dies“, „Sub tuum praesidium“, „Benedictus“ oder „Ave regina“ – mal mit Orchester, mal nur mit Continuo: Spitzenleistungen eines Chores, bei dem die stimmliche Qualität und technische Perfektion sich die Waage halten. Die Sopranistin Thornhill war in einem „Magnificat“, den „Litaniae Lauretanae“ und einem „Miserere c-Moll“ am Geschehen beteiligt. Mit heller, klarer und sehr beweglicher Stimme formte sie anspruchsvolle Sequenzen von ausgesprochenem Wohllaut. Ein Konzert der Superlative, das darf man ohne Übertreibung sagen.

Peter Schroeder, Saarbrücker Zeitung, 13.2.2001

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Mit klarer Überlegenheit setzte sich schließlich ein erlesenes Ensemble an die Spitze, das bereits bei mehreren Wettbewerben erfolgreich war, der 1990 von Georg Grün gegründete KammerChor Saarbrücken. In ihrer eigenwillig berückenden Interpretation des romantischen Pflichtstücks, des „Abendlieds“ von Max Reger, kosteten die Sängerinnen und Sänger die weitgespannten Bögen bis zur Neige aus. Wie mit Laien überhaupt derartige Intonationsreinheit, Homogenität und Klangkultur zu erzielen sind (…)Als erste Preisträger darf man sich gewiß ein wenig zurücklehnen. Der K. S. unter G. Grün setzte dem 5. Deutschen Chorwettbewerb in Regensburg 1998 mit einem federnd schlank genommenen Sanctus aus der doppelchorigen Messe von Frank Martin jedenfalls ein Glanzlicht auf.

Friedemann Leipold im BR 30.5.1998

Ein Programm, das extreme Anforderungen hinsichtlich Intonation und Dynmaik an der Chor stellt, Anforderungen, die der Chor jedoch mit traumhafter Sicherheit meistert. Das großartigste Stück ist die Motette „O Tod, wie bitter bist du“ (…) Hervorragend interpretiert! Auch der Text des Booklets zeichnet große Sorgfalt und Sachkenntnis aus.

Dbg in Musica Sacra 01/97

Der KammerChor Saarbrücken darf sicherlich zu den besten Ensembles dieser Gattung in Deutschland gezählt werden (…) Die vorliegende CD dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die Leistungsfähigkeit dieses jungen Ensembles (…) Die intonatorischen und interporetatorischen Aufgaben meistert der Chor mit bewundernswerter Souveränität. Ein instruktives Booklet rundet den Gesamteindruck ab. Sehr empfehlenswert!

Andreas Großmann in Kirchenmusik im Bistum Limburg, 02/97CD

(…) Was hier an Klangkultur geboten wird, verdient das Prädikat: Höchstes Niveau, und das wohlgemerkt a-cappella

(…) Also, das spätere Hinzufügen eines stützenden Kammerorchesters wäre Schönberg erspart geblieben mit einem KammerChor Saarbrücken, der die wunderbare Vertonung ohne Instrumentalstütze meistert (…) Daß a-cappella Chormusik des 20. Jahrhunderts so packend sein kann, liegt wohl an der Ausdruckskraft des Ensembles, das mit dieser technisch und klanglich sehr guten CD ein beeindruckendes Zeugnis kontinuierlicher und bestimmt harter Arbeit abliefert (…)

Roland Kunz in SR2, CD-Tipp 02/97

Zenders Psalmvertonung… läßt den Interpreten recht viel Freiraum. Die Saarländer nutzen diesen mit allen Qualitäten eines schattierungsfähigen Gesanges.

CD-Besprechung von Norbert Riedel in Klassik heute (5/98)

Der KammerChor Saarbrücken zeigt für einen überwiegenden Laienchor eine ganz beachtliche Reife und Intonationssicherheit. Alles ist spürbar fein durchgearbeitet.

NMZ 6/98Musik im 20. Jahrhundert 1996

(…) Daß aus einer derartigen lokalen Färbung kein provinzielles interpretatorisches Niveau resultieren muß, machte ganz besonders auch der von Georg Grün geleitete KammerChor Saarbrücken deutlich, ein schon früher mehrfach in dieses Festival eingebundenes Ensemble, das in seiner Sparte zu den bundesweit besten gehört. (…)

J. P. Hiekel auf WDR 3 (Festivals im Visier, 16.06.1996)

(…) Schließlich wartete noch der an der Saarbrücker Musikhochschule lehrende Theo Brandmüller mit einer neuen Komposition für Chor und Orgel auf… Der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grün sang das ebenso eindringlich wie zuvor Zenders Canto VI und drei Chorwerke von Schönberg (Friede auf Erden; Dreimal tausend Jahre; Drei Volkslieder). Die Saarbrücker Musik im 20. Jahrhundert bietet auch interpretatorisch höchstes Niveau.

21. Juni 1996, Gerhard Rohde in Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Kunst über Kunst“ ist auch Theo Brandmüllers Cis-umsungend, dessen schier aberwitzige Schwierigkeiten der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grüns Leitung bewunderungswürdig meisterte.

Doris Döpke in Saarbrücker Zeitung, 20.5.1996

(…) Der KammerChor Saarbrücken interpretiert die Lieder äußerst sensibel und doch mit sicherem Zugriff. Die Stimmen mischen sich sehr gut und sind in sich ausgewogen, so daß der Gesamtklang transparent ist und jede einzelne Stimmführung klar zu erkennen. Der Schwebezustand der Choräle, in den Wolf die Eichendorffschen Gedichte zaubert, wird von dem Chor mit selbstverständlicher Leichtigkeit erfaßt, sie wirken wie aus dem Nichts kommend und wieder dorthin verschwindend.

(…) Der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grün ist bei der Interpretation der geistlichen Gesänge von Reger absolut souverän. Die fünf- bis achtstimmigen Sätze gestaltet er zupackend und in der dynamischen Arbeit zugleich geschmeidig. Die sehr bewegliche Ausdeutung gibt jeder Verzierung in der Einzelstimme Raum, denn sie wird von den anderen Stimmen mitgedacht und berücksichtigt. Georg Grün spannt weite Bögen, läßt sie aufblühen und nimmt sie ebenso bewußt gestaltet wieder zurück (…).
Kein Intonationsschwankung trübt den aufgefächerten und trotzdem kompakten, klaren Chorklang.

Patricia Just im WESTDEUTSCHEN RUNDFUNK (1996)

(… Der KammerChor) setzt nicht auf erfolgversprechende Highlights der Chorliteratur, sondern widmet sich sehr ambitioniert dem Themenkreis „Tod und Ewigkeit“. Das Wagnis hat sich gelohnt, wenn man das musikalische Ergebnis als Maßstab nimmt. Technisch und musikalisch überzeugen sauberer Chorklang, homogene Stimmführung und differenzierte Gestaltung. (…) Die CD (mit sehr ausführlichem Booklet) ist für Chorfreunde fast ein Muss.

FONO FORUM 6/96

(…) In rehearing what was recorded I am struck again, as I was when you all performed for us in our studio, what a marvellous combination of musical taste and precision you people offer, what a superb variety of repertoire and true delight of making music you all feel and convey to our audience.

Norman Pellegrini / Program Director (1994)